Thema des Tages

17-10-2021 10:20

Fehlender Durchblick

Draußen herrscht mal wieder schlechte Sicht. Nebel hat sich auf die
Landschaft gelegt. Gerade im Herbst kein ungewöhnlicher Vorgang. Aber
Nebel ist nicht gleich Nebel.

"Weiße Suppe", "Brühe", "alles dicht" - der Volksmund ist
traditionell immer sehr kreativ, wenn es um die Beschreibung von
Alltagsphänomenen geht.
Spätestens wenn es früh auf dem Weg zur Schule, Uni oder Arbeit
wieder frisch wird und man kaum hundert Meter weit schauen kann, weiß
man: Der Herbst ist da, und mit ihm der Nebel.
Tatsächlich sind die nötigen Bedingungen für die Nebelbildung gar
nicht so trivial zu beschreiben, wenn man genau hinschaut.
Und sie können mitunter sehr unterschiedlich sein.
Auch wenn das Ergebnis am Ende meist gleich aussieht, so
unterscheidet man dementsprechend einige Arten von Nebel anhand der
Entstehungsgeschichte.

Ein Klassiker - gerade im Herbst - ist der sogenannte
Strahlungsnebel.
Er entsteht, wenn nachts bei Windstille und klarem Himmel der Boden
und bodennahe Luftschichten effizient Wärme abstrahlen können.
Dann kühlen sich die darüberliegenden Luftschichten rasch ab, bis sie
den Taupunkt erreicht haben.
Nachfolgend setzt Nebelbildung ein.
Diese Art von Nebel ist dementsprechend häufig recht flach (meist
nicht mehr als 100 Meter Mächtigkeit) und löst sich in der Regel mit
dem Tagesgang rasch auf.

Eine weitere Art von Nebel ist der Mischungsnebel.
Er entsteht, wenn sich zwei unterschiedliche Luftmassen vermischen.
Wenn dadurch die Temperatur sinkt und gleichzeitig der Feuchtegehalt
steigt, kann am Ende der Taupunkt unterschritten werden und es bildet
sich Nebel.
Dieses Szenario findet man typischerweise im Bereich von Fronten vor,
wo kalte und feuchtwarme Luft aufeinandertreffen.
Gleichzeitig wird bodennah der Feuchtegehalt der Luft oft noch durch
zuvor gefallenen Niederschlag, der wieder verdunstet, erhöht.
Das begünstigt die Nebelentstehung zusätzlich.

Advektionsnebel (von lateinisch "advectare" - "heranbewegen, -holen")
entsteht, wenn feuchtwarme Luft über einen kalten Untergrund geführt
wird.
Dann kühlt sich die Luft durch den einsetzen Wärmestrom Richtung
Boden von unten her ebenfalls ab.
Auch hier entsteht anschließend bei Erreichen des Taupunkts Nebel.
Advektionsnebel entsteht bevorzugt im Winterhalbjahr, wenn nach einer
kälteren Periode Warmluft herangeführt wird und über dem dann
ausgekühlten Boden Wärme abgibt.
Oft geschieht dies auch über kalten Wasseroberflächen, insbesondere
den nördlichen Meeresgebieten.
Dann bildet sich sogenannter Seenebel.
Andersherum kann sich auch Nebel bilden, wenn kalte Luft über eine
warme Wasseroberfläche geführt wird.
Dann setzt aufgrund des hohen Feuchteunterschiedes Verdunstung ein,
wobei der Wasserdampf in der kalten Luft anschließend sofort
kondensiert.
Es bildet sich Nebel, der den Eindruck einer rauchenden
Wasseroberfläche erweckt.
Deswegen spricht man bei dieser Art von Nebel oft auch von See- oder
Meerrauch.
Auch Küstennebel, besonders im Herbst und Winter, ist ein
Advektionsnebel.
Er entsteht, wenn die Landoberfläche nachts bereits stark auskühlt
und dann Luft vom wärmeren Wasser über die kalte Landoberfläche
streicht.

Ein Spezialfall ist Eisnebel.
Dieser entsteht meist erst ab Temperaturen von unter -20 Grad
Celsius, wenn aus der Luft heraus der Wasserdampf direkt in
Eiskristalle sublimiert.
Aufgrund der benötigten tiefen Temperaturen ist diese Form von Nebel
in Deutschland ziemlich selten.
Wegen der Eigenschaften der Eiskristalle kann Eisnebel aber für
seltene optische Phänomene wie zum Beispiel Halos oder Lichtsäulen
sorgen.

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.10.2021

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