Thema des Tages

13-11-2021 09:20

Mittelmeertief "Blas"

Aktuell zieht Tief "Blas" im westlichen Mittelmeer seine Runden.
Dabei treten wiederholt Starkregenfälle auf, die auch lokal zu
Überschwemmungen führen können.

Bereits Ende Oktober trieben Tiefdruckgebiete im zentralen Mittelmeer
ihr Unwesen (wir berichteten im Thema des Tages vom 29.10.2021:
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/10/29.html).
Wiederholt sorgten heftige Starkregenfälle in der Region der
Hafenstadt Catania auf Sizilien für Regenmengen von knapp 600 l/qm in
nur 48 Stunden. Das entspricht in etwa der für diese Region
durchschnittlichen, jährlichen Niederschlagsmenge. Die Folge waren
Überschwemmungen und erhebliche Schäden. Auch zwei Menschen mussten
dabei ihr Leben lassen.


In den vergangenen Tagen, insbesondere von Dienstagabend (09.11.) bis
Donnerstagfrüh (11.11.) traten im Bereich Siziliens und Sardiniens
dann erneut sintflutartige Regenfälle auf. An der Station in
Castelvetrano im Nordwesten Siziliens wurden rund 250 l/qm in 24
Stunden gemessen. Das meiste davon fiel in wesentlich kürzerer Zeit.
Dabei kam es ebenfalls zu Überschwemmungen, zum Teil wurden Straßen
von den Wassermassen weggerissen. Auch die historische Hafenstadt
Catania an der sizilianischen Ostküste wurde erneut getroffen. Dort
fielen knapp 100 l/qm in weniger als 6 Stunden. Die Regenmassen
verwandelten die Straßen von Catania in der Folge in reißende Flüsse.



Aber auch die Balearen und Nord-Algerien blieben von starken
Regenfällen nicht verschont. Die Lieblingsinsel deutscher Urlauber -
Mallorca - wurde ebenfalls von den Wassermassen heimgesucht. Die
Station Escorca - Son Torrella verzeichnete bei wiederholten
Starkregenereignissen in 36 Stunden rund 300 l/qm.


Das verantwortliche Tief findet sich in den Bodendruckanalysen
aktuell über dem westlichen Mittelmeer etwa zwischen den Balearen,
Sardinien und dem Norden Algeriens. Es trägt den Namen "Blas", der
ihm vom spanischen Wetterdienst AEMET bereits am vergangenen Freitag
vor einer Woche (05.11.) verliehen wurde. AEMET hatte international
den Vortritt bei der Namensvergabe, da die Ostküste Spaniens sowie
die Balearen als Erstes von dem Tief betroffen waren.


Bei "Blas" handelt es sich übrigens um einen spanischen Vornamen, der
sich von "Blasius" ableitet. Dieser Name wird aber insgesamt relativ
selten verwendet. Dem Autor fällt spontan nur der US-amerikanische
Blas Elias Gomez ein, der bei der Metal-Band Slaughter sowie bei der
Blue Man Group ins Schlagzeug drischt. Das namensgebende Wort von
"Blas" geht auf das lateinische "blaesus" (lispelnd) zurück. Wobei
Tief "Blas" alles andere als "lispelt": Neben kräftigen
Niederschlägen traten bereits regional um den Tiefkern Sturmböen oder
schwere Sturmböen auf. Auch aktuell muss vor allem noch auf den
Balearen sowie über dem Meer mit weiteren Sturmböen gerechnet werden.



Wie geht es aber nun weiter mit dem Mittelmeertief "Blas"?

Dieses soll sich vor der Küste Algeriens etwas abschwächen und zieht
in den kommenden Tagen zwischen Sardinien und Sizilien
ost-nordostwärts. Entwarnung für die Mittelmeerregionen kann man aus
meteorologischer Sicht jedoch nicht geben. Denn es hält sich
weiterhin tiefer Luftdruck über dem Mittelmeer. In Verbindung mit den
noch relativ hohen Wassertemperaturen von 17 bis 22 Grad ist die
Entstehung von weiteren kräftigen Regengebieten vorprogrammiert. Am
Sonntag nähert sich zudem von Norden her ein weiteres Höhentief, das
dafür sorgt, dass auch im Bodenniveau weitere Tiefdruckzentren im
Ligurischen Meer, zwischen den Balearen und Nord-Algerien sowie im
Küstenumfeld Libyens entstehen.


In den Folgetagen muss dann weiterhin mit teils kräftigen
Starkregenfällen gerechnet werden. Bis Mittwochfrüh liegen die
Schwerpunkte den aktuellen Modellprognosen nach zu urteilen erneut
von den Balearen bis zur Küste Algeriens, im Süden Italiens sowie in
den Südstaulagen der Westalpen. Insgesamt werden dabei innerhalb von
rund 3 Tagen 100 bis 150 l/qm prognostiziert, punktuell können auch
Mengen um 200 l/qm auftreten. In den Westalpen in Lagen oberhalb von
rund 1500 m gehen die Niederschläge zudem in Schnee über. Der
Neuschnee kann sich dort auf 50 bis punktuell 100 cm akkumulieren,
einzelne Modelle zeigen sogar noch höhere Mengen.


Im Vergleich zum "ruhigen Nebelroulette" in Deutschland bleibt es
also in den kommenden Tagen im Mittelmeerraum wettertechnisch
spannend, wenngleich Tiefdruckgebiete, die mit Starkregen
einhergehen, zu dieser Jahreszeit über dem Mittelmeer sicherlich
nicht ungewöhnlich sind.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.11.2021

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