Thema des Tages

28-11-2021 10:50

Westwetterlage bringt Sturm und Regen


Am Wochenende zeigten sich hierzulande bereits vielerorts die
Vorboten des Winters. Doch ab Dienstag ändert sich die Wetterlage.
Die ersten Winterstürme erwarten uns. Dabei setzt sich vom Atlantik
mildere Luft durch. Die Ursache dafür ist eine sogenannte
Westwetterlage. Doch was macht eine Westwetterlage aus? Und wie geht
es danach weiter?


Am Wochenende zeigten sich hierzulande bereits vielerorts die
Vorboten des Winters. Doch ab Dienstag ändert sich die Wetterlage.
Die ersten Winterstürme erwarten uns. Dabei setzt sich vom Atlantik
mildere Luft durch. Die Ursache dafür ist eine sogenannte
Westwetterlage. Doch was macht eine Westwetterlage aus? Und wie geht
es danach weiter?

Bei einer typischen Westwetterlage bilden sich zumeist in der
Labradorsee Tiefdruckgebiete, die in rascher Abfolge eingebettet in
eine kräftige West-Ost gerichtete Höhenströmung überwiegend zwischen
dem 50. und 60. Breitengrad ostwärts ziehen. Vom Nordatlantik kommend
überqueren sie häufig die Britischen Inseln, ziehen weiter zur Nord-
und Ostsee und anschließend nach Osteuropa. Dabei beeinflussen ihre
Frontensysteme auch Mitteleuropa. Dadurch ist die Witterung besonders
im Norden Deutschlands recht unbeständig, im Süden herrscht hingegen
häufig auch besseres Wetter. Phasen mit zahlreichen Schauern und
längeren Niederschlägen wechseln sich mit kurzen trockenen Perioden
ab. Im Winter bleibt es bei Westwetterlagen relativ mild. Schnee
fällt dann nur zeitweise in den Mittelgebirgen. Denn die Luft kommt
dann vom relativ warmen Atlantik. Aufgrund der größeren
Luftdruckgegensätze bilden sich bei Westwetterlagen im Winterhalbjahr
häufig kräftige Sturmtiefs. Nahezu alle großen Sturmlagen lassen sich
in Mitteleuropa auf Westwetterlagen zurückführen.
Im Sommer bleibt es bei Westwetterlagen eher kühl.

Am häufigsten traten Westwetterlagen im Juli und August auf und
sorgten für den typischen mitteleuropäischen wechselhaften Sommer.
Doch in den vergangenen Jahren war dies kaum noch der Fall. In den
90er Jahren waren die Wetterlagen noch die vorherrschende
Großwetterlage. Seit etwa 20 Jahren hat ihre Anzahl jedoch deutlich
abgenommen.

Auch in den nächsten Tagen erwartet uns wieder eine Westwetterlage,
die uns vorübergehend Milderung und auch die ersten Winterstürme
bringt. Denn das derzeit uns beherrschende Tiefdruckgebiet namens
ANDREAS, das auf seiner Rückseite kühle Polarluft zu uns brachte,
zieht nach Osten ab. Es macht den Weg frei für ein schwaches
atlantisches Sturmtief mit dem Namen CHRISTIAN, das von Montagabend
bis Dienstag von den Shetlandinseln zur Ostsee zieht.
Seine Warmfront erreicht in der Nacht zum Dienstag den Nordwesten. So
kommt dort Regen auf, der sich südostwärts ausbreitet, dabei aber auf
die kalte Polarluft trifft, die durch die Warmfront nur langsam
ausgeräumt wird. So muss man am Dienstagmorgen in der Mitte ab
Vormittag auch im Süden und im Osten mit einer weißen Überraschung
rechnen. Denn die Niederschläge fallen zunächst bis in tiefe Lagen
als Schnee. Dabei können einige Zentimeter Neuschnee fallen. Dazu
frischt der Wind mit starken bis stürmischen Böen deutlich auf. Im
Bergland kommt es bei kräftigeren Schneefällen und teils schweren
Sturmböen zu Verwehungen. Von Westen setzt sich im Tagesverlauf aber
Milderung durch, sodass die Schneefallgrenze deutlich ansteigt und
somit am Abend nur noch im Osten und Südosten? oberhalb von 1000 m
Schnee fällt.

Am Mittwoch kommt dann schon das nächste Sturmtief (voraussichtlich
DANIEL), das von der Nordsee über Dänemark ostwärts zieht und
besonders dem Norden Deutschlands Sturmböen bringt. Es bleibt dabei
ziemlich mild und regnerisch.

Ab Donnerstag baut sich auf dem Atlantik ein kräftiges Hoch auf, dass
die West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete vorübergehend blockiert. An
seiner Ostflanke stößt mit nordwestlicher Strömung wieder kühlere
Polarluft Richtung Mitteleuropa vor. Zumindest im Bergland wird es
dann wieder winterlich.



Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.11.2021

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