Thema des Tages

12-01-2022 09:50

Wo ist der Schnee hin?

Nach einem schneereichen Samstag sucht man "das Weiß" in dieser Woche
zumindest in tiefen Lagen vergebens. Wo findet man also dieser Tage
noch etwas mehr von der "weißen Pracht"?

Am vergangenen Samstagmorgen (08.01.22) rieb sich die eine oder der
andere vor allem in der Südhälfte Deutschlands sicherlich die Augen.
Beim Blick aus dem Fenster schaute man selbst im sonst so schneearmen
Rhein-Main-Gebiet auf eine weiße Schneelandschaft. Innerhalb von
wenigen Stunden kamen in Offenbach immerhin 14 Liter pro Quadratmeter
an Niederschlag vom Himmel. Daraus resultierte schließlich eine
Schneedecke von gemessenen 5 cm, im Norden Frankfurts waren es noch
ein paar Zentimeter mehr. Ging man höher hinaus ins Bergland, so
kamen dort sogar ganz anständige Mengen über 10 cm, im Taunus sogar
bis zu 21 cm über Nacht zusammen. Dies zog den Schnee- und
Wintersportliebhaber am Samstag natürlich raus in die Natur und man
konnte sich im Schneemannbauen messen oder mit dem Schlitten um die
Wette rodeln.


Aber so schnell der Schnee gefallen war, so schnell schmolz er auch
wieder weg. Denn in der Nacht zum Sonntag brachte Tief "Doreen" etwas
mildere Luft und Regen, womit es dem Schnee dann zumindest in
tieferen Lagen vollends an den Kragen ging. Anhand der Aufnahmen von
Webcams konnte man das auch online gut verfolgen. Im Anschluss an das
Thema des Tages unter
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2022/1/12.html sind
deshalb beispielhaft zwei Webcams in Darmstadt und Fürstenfeld
ausgewählt, die jeweils ein Bild von Samstag, dem 08.01.22, als auch
von Sonntag, dem 09.01.22, zeigen.


Höhere Lagen profitierten hingegen am Sonntag von "Doreen". So kamen
vom Thüringer Wald und dem Erzgebirge bis zum Bayerischen Wald sowie
im Schwarzwald und dem Allgäu nochmals einige Zentimeter an Neuschnee
zusammen, punktuell waren es sogar mehr als 10 cm. Dies war
einerseits natürlich gut für den entspannten Hobbywintersportler,
professionelle Biathleten, die in Oberhof am Rennsteig im Thüringer
Wald zum Weltcup antraten, liefen hingegen sicherlich keine
Bestzeiten bei dem bremsenden Neuschneegestöber.


In dieser Woche lässt es das Wettergeschehen in Deutschland wieder
etwas ruhiger angehen. Lediglich zum Wochenstart fielen am Alpenrand
nochmal bis zu 10 cm, im Berchtesgadener Land kamen sogar 15 cm
zusammen. Ansonsten dürfte der Schnee in tieferen Lagen leider "von
gestern" sein. Wo finden wir also aktuell noch etwas mehr von der
"weißen Pracht"? Wo lohnt es sich noch, die Langlaufskier
anzuschnallen?


Die schlechte Nachricht: Der Schnee hat sich meist bis in Berglagen
zurückgezogen. In tiefen Lagen finden sich ? wenn überhaupt ? nur
noch Schneereste, die wahrscheinlich nur wenig zum echten
Winterfeeling beitragen.


Die gute Nachricht: Im Bergland gibt es noch reichlich Schnee. In den
Mittelgebirgen finden sich zumindest gebietsweise ab etwa 400 bis 500
m rund 10, in höheren Lagen sogar 20 bis 30 cm an Schnee.
Entsprechend gibt es einige Skigebiete, die ihre Pisten und Loipen
aktuell geöffnet und präpariert haben. An einigen Stellen sorgen
darüber hinaus Schneekanonen für weitere künstliche Zuwächse: In
Winterberg misst die Schneedecke auf der Piste so bis zu 50 cm.
Schaut man auf die Höhen des Schwarzwalds, findet man diese Mengen
auch ohne den Einsatz von Schneekanonen. Dort sollten sich aktuell
die höchsten Schneemassen auftürmen, wenn man von den deutschen
Mittelgebirgen ausgeht.


Noch eine "Schippe" mehr Schnee findet man in den Alpen. Dort
herrscht im Winter - je nach Höhenlage - eine gewisse
Schneesicherheit. Wintersportler sind dort deshalb immer ganz gut
aufgehoben. Während im Allgäu aktuell sogar in tieferen Lagen noch
einige Zentimeter Schnee liegen, finden sich ab 1000 m schon 20 bis
40 cm, ab 1500 m sind es schon über 50 cm. Ab 2000 m kommt man schon
auf deutlich mehr als einen Meter, wie beispielsweise auf dem
Zugspitzplatt, wo aktuell 136 cm gemessen werden.


Mit diesen Schneehöhen muss man sich in dieser Woche allerdings
zufriedengeben. Denn Neuschnee ist erst einmal nicht in Sicht.
Außerdem könnte die einfließende, mildere Luft bei positiven
Tageshöchstwerten zu einem allmählichen Abschmelzen der Schneedecke
führen. Ab Sonntag könnte sich die Wetterlage zumindest vorübergehend
wieder umstellen, was mit weiteren Niederschlägen einhergeht. Zwar
ist der genaue Ablauf aus heutiger Sicht noch mit einigen
Unsicherheiten verbunden, zumindest im Bergland dürfte es jedoch für
einen Nachschlag an Schneekristallen reichen.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.01.2022

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