Thema des Tages

22-09-2016 14:40

Zeichen des Herbstes

Tagsüber ist es mit Höchsttemperaturen von meist 18 °C bis 23 °C noch
mäßig warm und die Verdunstung entsprechend hoch, so dass sich die
Luft ggf. mit Wasserdampf anreichern kann. Jedoch sind die Nächte
deutlich länger als im Hochsommer und werden bei Tiefstwerten von 11
°C bis örtlich 3 °C "in Kopfhöhe" schon recht frisch. Während der
nächtlichen Abkühlung kondensiert der in der Luft enthaltene
Wasserdampf bei Erreichen der Taupunkttemperatur. So bilden sich,
meist in der zweiten Nachthälfte oder gegen Morgen, in der Nähe des
Erdbodens "feuchter Dunst" oder Nebel.

Die bei der Kondensation entstehenden winzigen Dunst- oder
Nebeltröpfchen bewirken eine Verschlechterung der Sicht,
Behinderungen oder bei zu hohen Fahrtgeschwindigkeiten gar
Gefährdungen im nächtlichen und morgendlichen Straßenverkehr gehen
damit einher. Der Einzug des Herbstes erfordert also bei
entsprechenden Wetterlagen eine erhöhte Aufmerksamkeit aller
Verkehrsteilnehmer. Praktischerweise unterscheidet man Dunst und
Nebel anhand der horizontalen Sichtweite in Augenhöhe. Beträgt sie
weniger als einen Kilometer, spricht man von Nebel, andernfalls von
Dunst.

Bei der Entstehung von Dunst erfolgt die Kondensation des in der Luft
enthaltenen Wasserdampfes bereits ohne vollständige Sättigung, sofern
die Luftfeuchtigkeit hoch genug ist und eine ausreichende Anzahl von
Aerosolteilchen in der bodennahen Atmosphäre vorhanden ist. Die
Aerosolpartikel wirken als Kondensationskerne, können aber bei
ausreichend hoher Konzentration auch selbst die Luft trüben, was man
dann als "trockenen Dunst" bezeichnet. Die Kondensation des
atmosphärischen Wasserdampfes vor Erreichen des Taupunktes wird durch
die "hygroskopischen Eigenschaften" der Aerosolteilchen bewirkt,
indem aufgrund des "Lösungseffektes" der Sättigungsdampfdruck
erniedrigt und damit die Kondensation ermöglicht wird. Die so
entstehenden Tropfen haben äußerst kleine Radien zwischen 0,1 und 1
µm.

Bei relativer Luftfeuchte von 100 % bildet sich Nebel. Dessen
Tropfengröße hängt ebenfalls von der Menge des vorhandenen
Wasserdampfes sowie der Anzahl der Kondensationskerne ab. Man findet
im Nebel ein ganzes Tropfengrößenspektrum, leichter Nebel weist
Radien von 1 bis 5 µm auf, dichter Nebel hat Tropfenradien von 10 bis
20 µm. Die größten Nebeltropfen in dichtem, nässendem Nebel können
mit 50 µm (0,05 mm) die Größe von Tau erreichen. Wegen der relativen
"Größe" der Nebeltröpfchen ist die Streuung des Lichtes von seiner
Wellenlänge unabhängig - Nebel erscheint also weiß.

Eine Karte der horizontalen Sichtweiten [km] von heute früh,
22.09.2016, 06:00 UTC, unterlegt mit einem Satellitenbild, finden Sie
unten. Vor allem in der Mitte sowie im Süden Deutschlands herrschten
schlechte Sichtverhältnisse. Beispielsweise wurde zum o. g. Termin in
Kempten (Allgäu, 705 m Stationshöhe) eine Sichtweite von 140 m (0,14
km) registriert, während man auf der Zugspitze (2964 m Stationshöhe)
bei klarer Luft 42 km weit sehen konnte (entspricht der
Schlüsselziffer 82). Im September ist die Sonne allerdings noch
kräftig genug, um flache Dunst- und Bodennebelfelder im Verlaufe des
Vormittags rasch aufzulösen.


Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.09.2016

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