Thema des Tages

28-09-2022 14:20


Wetter aktuell
Regennachschub - der Herbst bleibt sich (noch) treu

Der Herbst fiel bis dato sehr nass aus - und er bleibt es bis auf
Weiteres auch! Wieviel Regen in den kommenden Tagen nach kommt,
erfahren Sie im heutigen Thema des Tages.

Regenschirme bleiben auch in den nächsten Tagen ein beliebtes
Accessoire. Zwar geht Tiefdruckgebiet THORVI, das sich über
Mitteleuropa eingenistet hat und uns in den vergangenen Tagen zum
Teil schon ergiebigen Regen gebracht hat, die Luft aus und es kann
sich vor allem zum Freitag vorübergehend schwacher Hochdruckeinfluss
bemerkbar machen. Doch schon am Wochenende erreichen uns neue
atlantische Tiefausläufer mit dicken Regenwolken.

Damit bleibt sich der diesjährige meteorologische Herbst treu. Denn
der sonnige und warme Septemberbeginn erwies sich nur als flüchtige
Zugabe des Sommers. Über weite Strecken des Monats dominierte
Tiefdruckeinfluss und mitunter sehr niederschlagsreiches Wetter. Das
verdeutlicht auch die Radaranalyse der Niederschlagsbilanz für den
Monat bis einschließlich Mittwoch (28.09.). Fast überall war es
deutlich zu nass! Vor allem über der südlichen Mitte Deutschlands
fiel nicht selten das 2- bis 3-fache der auf Grundlage der
vieljährigen Mittelwerte zu erwartenden Regenmengen. Das ist ein
völlig konträres Bild zum Sommer, als sich verbreitet ein gewaltiges
Niederschlagsdefizit aufbauen konnte.

(Die Bilder zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie immer im
Internet unter www.dwd.de/tagesthema)

Eine ausführliche Auswertung der Witterung im September, inklusive
der Niederschlagsbilanz, erfolgt in der DWD-Pressemitteilung, die
noch im Laufe der Woche veröffentlich wird.

Blicken wir nun in die Zukunft, die, wie bereits erwähnt, zunächst
einmal kein generelles Umschwenken zu trockenerer Witterung
verspricht. Ab Samstag erreichen uns mit atlantischen Tiefausläufern
erneut mehrere Regenschübe, die uns bis mindestens zum Beginn der
kommenden Woche beschäftigen werden. Das sind nicht nur Schauer,
sondern zum Teil auch wieder länger anhaltende und ergiebige
Regenfälle. Diese stehen in Verbindung mit kleinen Randtiefs, deren
Vorhersage mit größeren Unsicherheiten behaftet ist. Entsprechend
sollte man die beiden Berechnungen des bis zum Montag (03.10.)
aufsummierten Niederschlags vom ICON- und IFS-Modell mit Vorsicht
genießen. An der Grundaussage, dass gebietsweise wieder einiges an
Regen runterkommt, ändert das aber wenig. Mit Ausnahme des
Nordostens, wo beide Modelle meist nur 5 bis 10 Liter pro
Quadratmeter simulieren, kommen erneut Mengen von verbreitet 10 bis
30 Liter pro Quadratmeter zusammen. In Staulagen der Mittelgebirge
sowie an der Nordsee sind zum Teil 30 bis 60 Liter pro Quadratmeter
möglich, bevorzugt im Schwarzwald und im Allgäu auch noch mehr.

Prinzipiell sollte man dem Regen weiter wohlwollend gegenüberstehen.
Zwar hat sich die Dürre im Oberboden bereits vielfach entspannt, in
den tiefen Bodenschichten sitzt sie aber teilweise noch fest.
Dennoch, der ein oder andere kleinere oder mittelgroße Fluss könnte
Anfang Oktober vorübergehend Hochwasser führen.

Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober könnte nicht nur ein
Wendepunkt in der deutschen Geschichte sein, sondern dieses Jahr
möglicherweise auch beim Wetter. Die Modelle deuten für den weiteren
Verlauf der ersten Oktoberwoche eine Wetterberuhigung an. Ob das
herbstlich kühle Schauerwetter tatsächlich mal eine substanzielle
Pause einlegt und Altweibersommer Einzug hält, bleibt aber
abzuwarten.


Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.09.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst