Thema des Tages

26-11-2023 14:50


Wetter aktuell
Noch mehr Schnee im Anmarsch


In den letzten Tagen waren Schnee und Eis bereits themenbestimmend.
Aber es hilft nichts - das spannende Wetter spielt sich auch
weiterhin direkt bei uns ab. Und darüber gibt es auch heute erneut
einiges zu berichten.

Winterliche Wetterverhältnisse haben bei uns Einzug gehalten. Davon
kündigten bereits die Themen des Tages der letzten Tage. Und wie es
manchmal so ist, lässt das Wetter im Moment auch keine Abwechslung
zu. Deswegen geht es auch heute wieder um Schnee, Eis und Glätte.
Dabei vor allem um Schnee, denn davon gibt es ab morgen früh bis in
den Dienstag hinein in manchen Gegenden reichlich - der erste
Höhepunkt des Winterwetters steht kurz bevor.


Tief "Oliver" übernimmt ab der kommenden Nacht bei uns die
Verantwortung für die Wetterlage. Eigentlich schon ziemlich gealtert,
taucht es bei Schottland in einen Jungbrunnen und regeneriert sich
unter Zuhilfenahme eines Randtiefs vor Norwegen. Dieses Tief haucht
dem ganzen Komplex neues Leben ein. Im Anschluss zieht das so wieder
stärker gewordene Tief rasch südwärts und landet in der Nacht zum
morgigen Montag an der niederländischen Nordseeküste. Danach führt
sein Weg weiter über Belgien Richtung Eifel. In der Nacht zum
Dienstag geht es anschließend über Hessen und Franken in Richtung
Böhmisches Becken, wo "Oliver" in den Früh- oder Vormittagsstunden
des Dienstags liegen soll. So jedenfalls prophezeien es die aktuellen
Prognosen der verschiedenen Wettermodelle.


Doch was bedeutet das jetzt für unser Wetter? Nun, zum einen hat so
ein Tief in der Regel einiges an Niederschlägen im Gepäck. In diesem
Fall würde man so etwas ohnehin erwarten, da "Oliver" einen recht
langen Weg über die Nordsee zurücklegt, bevor Deutschland erreicht
wird. Zum anderen lohnt der Blick auf die Luftmasse, die mit "Oliver"
interagiert. In etwa 1,5 km Höhe liegen die Temperaturen je nach
Region zwischen -3°C und -6°C. Daraus lässt sich grob abschätzen, bis
zu welchen Höhenlagen Niederschlag als Schnee fällt. Im Fall von
"Oliver" wird das oberhalb von 400 bis 800 m der Fall sein. Auch hier
kommt es darauf an, wohin man genau schaut. In den südlichen
Mittelgebirgen wie zum Beispiel dem Schwarzwald liegt die
Schneefallgrenze im Einflussbereich geringfügig milderer Luft etwas
weiter oben Richtung 600 bis 800 m, während sie in den westlichen und
zentralen Mittelgebirgen wie z.B. Westerwald, Taunus, Eifel und Harz
eher um 400 m liegen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass sich mit
Durchzug von "Oliver" die verschiedenen Luftmassen rasch die Klinke
in die Hand geben. Das bedeutet, dass sich Regen und Schnee in
relativ rascher Folge abwechseln können.


Los geht's mit den Niederschlägen bereits nachts im äußersten Westen
am Niederrhein, wo diese zunächst wohl als Regen fallen. In den
Morgen- und frühen Vormittagsstunden greifen sie dann weiter auf
große Teile von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und
Rheinland-Pfalz/Saarland aus und verstärken sich. Während es in den
tiefsten Lagen an Ems und Niederrhein wohl weiter bei Regen,
vielleicht auch Schneeregen bleibt, wird es in den höheren Lagen
spätestens ab 400 m anfangen zu schneien. Und das zeitweise sogar
ziemlich kräftig. Weiter südlich setzt der Schneefall wie bereits
schon erwähnt erst in höheren Lagen ein. Bis zum Abend verlagert sich
"Oliver" nur langsam ostwärts. Dabei kühlt die Luft durch die
Niederschläge, aber auch durch die zunehmende Okklusion des Tiefs,
langsam aber stetig ab. Damit sinkt auch die Schneefallgrenze wieder.
Übersetzt bedeutet das, dass gegen Abend auch in tieferen Lagen die
Niederschläge mehr und mehr in Schnee übergehen können und sich nach
einer gewissen Zeit auch so etwas wie eine dünne Schneedecke
ausbilden kann.


In der Nacht zum Dienstag zieht "Oliver" schließlich ostwärts
Richtung Tschechien. Damit dreht auf dessen Rückseite der Wind mehr
und mehr auf nördliche Richtungen. Der Weg ist somit frei für
reichlich Nachschub an Polarluft, die über dem südlichen Skandinavien
nur darauf wartet, zu uns nach Deutschland vordringen zu können. In
1,5 km Höhe sinken die Temperaturen also rasch auf Werte von -5 bis
-8, ganz im Norden vielleicht sogar auf bis zu -10°C. Das ist auf
jeden Fall ausreichend, um überall für Schneefall bis in tiefste
Lagen zu sorgen. Da auch bodennah die Temperaturen in der Nacht in
den Frostbereich zurückgehen (etwa 0°C bis -3°C in der Nordhälfte),
wird es wenigstens in der Nordhälfte Deutschlands zumindest
vorübergehend, dafür aber wohl nahezu flächendeckend für eine kleine
Schneedecke reichen.


Der meiste Schnee aber fällt woanders - nämlich im westlichen und
zentralen Bergland. Dort sorgt die Kombination aus reichlich
Niederschlag und frostigen Temperaturen für außerordentlich raschen
Neuschneezuwachs und damit tiefwinterliche Verhältnisse. Den Modellen
zufolge ist von Eifel über Hunsrück und Taunus bis zum Spessart und
Rhön/Thüringer Wald mit Neuschneemengen zwischen 10 und 20, in
besonders stauexponierten Lagen im "worst case" bis zu 30 cm zu
rechnen. Diese fallen dabei meist in einem Zeitraum von 12 bis 18
Stunden und würden damit stellenweise sogar das offizielle
Unwetterkriterium von mehr als 15 cm innerhalb von zwölf Stunden
erfüllen. Weiter unten sind die Mengen vor allem aufgrund der noch
immer recht warmen Böden deutlich geringer, aber immerhin dürfte es
wohl für den von den Meteorologen liebevoll so genannten
"Stundenschnee" reichen, der rasch fällt und bald darauf auch schon
wieder wegtaut.


Zum Schluss noch der kurze Blick auf die kommenden Tage. Da bleibt es
bei der nasskalten Wetterlage bei allmählich sinkenden Temperaturen.
Im Nordosten Deutschlands stehen die Zeichen auf Dauerfrost, dort
kann es nachts sogar in den mäßigen Frostbereich von unter -5°C
gehen. Außerdem bringen weitere Tiefdruckgebiete zeitweise erneut
etwas Schnee.


M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.11.2023

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