Thema des Tages

12-01-2024 15:20


Wissenschaft kompakt
Wie sich der 12. Januar in der Vergangenheit von seiner kalten Seite
zeigte

Wie bereits das eine oder andere Mal in den vergangenen Tagen, so
beschäftigt sich auch das heutige Thema des Tages mit "Kälte". Zudem
begeht der "Schoolchildren's Blizzard" heute seinen traurigen
Jahrestag.

In Anlehnung an die Themenreihe "Der Einfluss von Wetter und Klima
auf die Menschheitsgeschichte" (Themen des Tages vom 07.08.2023 und
25.08.2023) geht es heute um den "Schoolchildren's Blizzard".

Dieser Schneesturm fegte am 12. Januar 1888 über die
US-amerikanischen Bundesstaaten der nordamerikanischen Great Plains
und jährt sich am heutigen Freitag somit zum 135. Mal. Er forderte
mindestens 200 Todesopfer, wobei die genaue Zahl eher höher liegen
dürfte, da viele Menschen noch in den darauffolgenden Wochen an den
Folgen ihrer Erfrierungen starben. Unter den Opfern waren viele
Schulkinder, was dann auch letztendlich namensgebend für den
Schneesturm war. Entweder wurden sie zu Beginn des Schneesturms von
den Lehrern nach Hause geschickt oder sie harrten teils unzureichend
bekleidet in den schlecht gedämmten Schulgebäuden aus, wo häufig das
Heizmaterial ausging.

Bereits wenige Tage zuvor wehte ein Schneesturm über das Land. Der
12. Januar begann hingegen mild und sonnig. Viele Schulkinder wurden
daher wieder zur Schule geschickt und die Farmer verrichteten
liegengebliebene Arbeiten im Freien. Sie wussten nicht, dass am 11.
Januar im Bereich von Alberta (Kanada) ein Bodentief entstanden war.
Dieses war nach Montana und nachfolgend in den Nordosten von Colorado
gezogen und hatte sich dabei verstärkt. Am 12. Januar gegen 15 Uhr
erreichte es den Südosten von Nebraska und gegen 23 Uhr schließlich
den Südwesten von Wisconsin. Dessen Warmfront führte zu den milden
Bedingungen am Morgen. Der Schneesturm wurde dann durch das
Zusammentreffen der (arktischen) Kaltfront mit einer warmen und
feuchten Luft aus dem Golf von Mexiko ausgelöst. Die Temperaturen
rasten binnen weniger Stunden in den Keller. Es wird davon berichtet,
dass auch -40 Grad gemessen werden konnten.

Nachfolgend gab es viele Augenzeugenberichte, wie schnell und wie
heftig der Schneesturm aufzog. Ein Augenzeuge beschrieb das Szenario
beispielsweise mit großen Baumwollballen, die heranrollten. Sergeant
Samuell Glenn, der sich zu diesem Zeitpunkt gerade auf einem
Flachdach befand, schilderte, dass "die Luft etwa eine Minute lang
völlig unbewegt und die Stimmen und Geräusche von der Straße unten
wirkten, als drängen sie aus großer Tiefe herauf". Zudem sei die Luft
binnen kürzester Zeit "mit Schnee so fein wie gesiebtes Mehl gefüllt"
gewesen und man hätte selbst Gegenstände in nächster Nähe nicht mehr
gesehen. Viele berichteten, dass dem Sturm ein lautes Geräusch
verglichen mit einem herannahenden Zug vorausging. Dies kann
möglicherweise damit erklärt werden, dass mit den ersten Böen bereits
liegender Schnee nach oben gerissen wurde. Die Sichtweiten waren
binnen kürzester Zeit stark reduziert, sodass die Orientierung sofort
verloren ging. So wurde beispielsweise eine erfrorene Frau nicht weit
entfernt von ihrer Haustür aufgefunden, die den Haustürschlüssel noch
in der Hand hatte.

Dieses Ereignis wurde später auch in Literatur, Kunst und Musik
aufgegriffen. In dem 1986 veröffentlichten Gedichtband "The Blizzard
Voices" erinnert Ted Kooser an zahlreiche Einzelschicksale. Ein
halbabstraktes Wandmosaik im Nebraska-State-Capitol-Gebäude erzählt
die Geschichte einer Lehrerin, die ihre Schüler mit einer Wäscheleine
zusammenband und sicher durch den Sturm führte. Dieses Mosaik soll
die Lehrerin Minnie Mae Freeman Penney darstellen, die als eine
Heldin dieses Ereignisses gilt, da sie mehrere Kinder rettete. Ihr zu
Ehren wurde ein Lied gewidmet.

Nur zwei Monate später wurden die Oststaaten von einem weiteren
schweren Schneesturm heimgesucht. Dieser Schneesturm ging als der
"Große Blizzard" von 1888 in die Geschichte ein.

Kalt war es auch am 12. Januar 1987 im schweizerischen La Brévine,
aber es herrschten immerhin keine solchen stürmischen Verhältnisse.
Dieser Ort liegt im Neuenburger Jura im nahezu komplett
abgeschlossenen Vallée de la Brévine. An diesem Tag wurden dort -41,8
Grad gemeldet, was den Kälterekord an einem bewohnten Ort in der
Schweiz darstellt. Im Winter sammelt sich die kalte Luft in diesem
Tal und kann in Strahlungsnächten (kaum Wolken bei schwachen
Windverhältnissen) besonders gut weiter auskühlen. Aufgrund der
Tatsache, dass dabei nicht selten Temperaturen von -30 Grad oder
weniger erreicht werden, wird dieser Ort auch als "Sibirien der
Schweiz" bezeichnet.

Zum Thema "Kälte" soll nicht unerwähnt bleiben, dass am morgigen
Samstag in Großbritannien das "Fest des Hilarius von Poitiers"
begangen wird. Dieses Fest wird auch als der "kälteste Tag des
Jahres" gefeiert. Die Zusammenhänge sind da schnell erzählt: Der 13.
Januar ist der Gedenktag für besagten Bischof und Kirchenlehrer und
aus Großbritannien finden sich einige historische Berichte, die ein
eisiges Temperaturniveau rund um dieses Datum dokumentieren.

Kalt war es in den letzten Tagen auch hier in Deutschland. So meldete
beispielsweise die Station Bad Berka (Flugplatz) bis einschließlich
der Nacht zum gestrigen Donnerstag in drei aufeinanderfolgenden
Nächten eine Tiefsttemperatur von weniger als -15 Grad. Frostige
Nächte gibt es gebietsweise zwar auch weiterhin, zweistellige
Minusgrade werden aber allenfalls noch direkt an den Alpen erreicht.


M.Sc. Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.01.2024

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