Thema des Tages

30-01-2024 14:20


Wissenschaft kompakt
Wenn man einen "gewischt" bekommt...

Bestimmt haben Sie auch schon mal einen "gewischt" bekommen, oder?
Gerade im Winter sind solche elektrischen Schläge alles andere als
unüblich. Warum das so ist, lesen Sie im heutigen Thema des Tages.

Sicherlich kennen Sie das: Man gibt jemandem die Hand oder will nach
dem Aussteigen die Autotür zuschlagen und Zack, bekommt man einen
"gewischt". Wenn Sie mal genauer darüber nachdenken, werden Sie
vielleicht feststellen, dass Sie besonders im Winter "Opfer" dieser
elektrischen Schläge wurden.

Warum das so ist, hat etwas mit der Feuchtigkeit der Luft zu tun. Die
Luft ist im Winter nämlich trockener als im Sommer - zumindest was
den absoluten Feuchtegehalt angeht. Das liegt daran, dass sie in den
Wintermonaten im Normalfall deutlich kälter ist als im Sommer und
somit weniger Wasserdampf aufnehmen kann. Während beispielsweise 1 m³
Luft bei 20 Grad 17 g Wasserdampf speichern kann, sind bei 0 Grad nur
noch maximal 5 g möglich. Bei -10 Grad reichen schon etwa 2 g
Wasserdampf um 1 m³ Luft zu sättigen.

Nun ist es aber auch so, dass man es in manchen Regionen gerade im
Winter immer wieder mit zähem Nebel und Hochnebel zu tun hat und der
besteht bekanntermaßen ja aus Wassertröpfchen. Zumindest dort könnte
man jetzt natürlich sehr starke Zweifel an der Aussage hegen, die
Luft im Winter sei trockener als im Sommer. Und diese Zweifel sind -
relativ betrachtet - definitiv korrekt. Die sogenannte relative
Feuchtigkeit gibt nämlich das Verhältnis zwischen der tatsächlich in
der Luft befindlichen Wasserdampfmenge und der bei denselben
Bedingungen maximal möglichen an. Trägt sie diese Maximalmenge in
sich, ist sie gesättigt, wie man im Fachjargon sagt. Ihre relative
Feuchte beträgt dann 100 % und es bilden sich Wolken oder Nebel.

Obwohl die Luft im Winter also absolut gesehen trockener ist als im
Sommer, muss das relativ betrachtet nicht zwingend zutreffen, ganz im
Gegenteil. Innerhalb von beheizten Räumen sieht das aber deutlich
anders aus. Durch diverse Verdunstungsprozesse ist die Luft innerhalb
eines Raums mit einem gewissen Feuchtegehalt angereichert. Beim
Lüften wird diese durch kalte Luft ersetzt, die eine geringere
(absolute) Wasserdampfmenge vorweist. Erwärmt man sie nun wieder auf
dieselbe Raumtemperatur wie vor dem Lüften, ist sie in der Folge
trockener.

Nun aber zur Elektrik! Unser Körper lädt sich tagtäglich auf,
beispielweise durch die Reibung von Kleidung auf der Haut.
Gleichzeitig stehen wir aber auch in ständigem Ladungsaustausch mit
der Luft. Dieser Austausch klappt umso besser, je feuchter die Luft
ist. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass er bei trockener
Luft deutlich gehemmter vonstattengeht. Das führt wiederum dazu, dass
sich unser Körper mehr und mehr auflädt, bis er schließlich etwas
findet, über das der Ladungsüberschuss abfließen kann. Und das kann
dann eben die Autotür oder die Hand des Gegenüber sein. Aber wie auch
immer, die Entladung erfolgt im wahrsten Sinne des Wortes
"schlagartig".

Gefährlich ist dieser kleine Stromschlag übrigens nicht, es gibt aber
sicherlich angenehmeres, oder? Wenn Sie das Risiko dafür, einen
"gewischt" zu bekommen, reduzieren möchten, können Sie beispielsweise
für eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit im Raum sorgen oder sich
mit einer Feuchtigkeitscreme eincremen.

Dipl. Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.01.2024

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