Thema des Tages

12-01-2017 14:40

Erst EGON, dann Hochwinterwetter

Nachdem es gestrigen Mittwoch noch gewaltige Unsicherheiten in der
Vorhersage von Sturmtief EGON und der damit in Verbindung stehenden
Wettererscheinungen gab, herrscht nun relative Klarheit. EGON wird
vom Ärmelkanal und Belgien her kommend in der Nacht zum Freitag den
Westen Deutschlands erreichen. Bis Freitagmittag verlagert sich er
sich unter Intensivierung zu einem Sturmtief etwa entlang der
nördlichen Mittelgebirgsschwelle über den Berliner Raum nach Polen.
Die stärksten Schneefälle werden im Bereich des Tiefkerns bzw. knapp
nördlich davon erwartet. Besonders in den westlichen und zentralen
Mittelgebirgen kommen bis Freitagmittag teils mehr als 30 cm
Neuschnee zusammen, was die Einstufung zu einem Unwetter bedeuten
würde. Aber auch sonst stehen rund um EGON einige markante
Wettererscheinungen an. Weiterführende Informationen stellt der DWD
über verschiedene Kanäle bereit, z. B. auf www.dwd.de.

Wintersturm EGON beschert also vielen Regionen in Deutschland eine
schneebedeckte Landschaft. Doch damit nicht genug! Beim Blick auf die
Karten der Wettermodelle für die nächsten Tage werden die Freunde des
waschechten Winterwetters mit Kälte und Schnee frohlocken. An der
Westflanke eines umfangreichen Tiefdruckkomplexes, der
schwerpunktmäßig von der Barentssee über das östliche Mitteleuropa
bis in den zentralen Mittelmeerraum reicht, hält der Zustrom
mäßig-kalter Polarluft an. Da sie über die teils knapp 10 Grad warme
Nordsee muss, um nach Deutschland zu kommen, erreicht sie uns
entsprechend erwärmt. Die bis zum Wochenende gebietsweise
auftretenden Niederschläge fallen also nicht immer bis in die
tiefsten Lagen als Schnee. Nichtsdestoweniger wird sich vielerorts
eine geschlossene Schneedecke ausbilden können, wenn auch nur
vorübergehend.

Die Temperaturentwicklung trägt der einfließenden erwärmten Polarluft
ebenso Rechnung, indem bis zum Wochenende zumindest tagsüber noch
recht verbreitet leicht positive Temperaturen erreicht werden,
während die Nächte schon meist frostig ausfallen.

Zu Beginn der kommenden Woche deutet das Gros der Wettermodelle ein
vom Azorenhoch vorstoßenden Hochdruckkeil Richtung südliches
Nordeuropa an. Im weiteren Verlauf scheint sich dort sogar ein
kräftiges, eigenständiges Hochdruckgebiet ausbilden zu können. Damit
würde die von Tiefdruckeinfluss dominierte Phase mit zeitweiligen
Niederschlägen in Deutschland beendet werden. Die eingeflossene
Polarluft kommt zur Ruhe und kühlt sich aufgrund der immer noch sehr
langen Nächte fortwährend ab. Im weiteren Verlauf wird mit einer
östlichen Strömung gar sehr kalte Kontinentalluft aus Osteuropa
herangeführt. Folglich stellt sich in der kommenden Woche verbreitet
Dauerfrost ein, in den Nächten gibt es vor allem über Schnee mäßigen
bis strengen Frost.

Die durch die Umstellung der Wetterlage forcierte Abkühlung geht
allerdings auf Kosten des Niederschlags. Auf große Neuschneezuwächse
sollte man dann lieber nicht mehr setzen. Als Strohhalm für Anhänger
des "weißen Zeugs" fungiert die Tiefdruckaktivität im zentralen
Mittelmeerraum. Je nach Schwerpunkt und Intensität der
Tiefdruckentwicklung könnten Niederschläge über die Alpen hinweg
zumindest bis nach Süd- und Südostdeutschland übergreifen.

Wie lange diese hochwinterliche Wetterphase anhält, ist natürlich
schon alleine wegen des noch weiten Vorhersagehorizonts noch nicht
abzusehen. Allerdings scheint das Hochdruckgebiet das Übergreifen
atlantischer Tiefdruckausläufer längere Zeit verhindern können, womit
uns Schnee und Kälte bis auf weiteres erhalten bleiben würden.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.01.2017

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