Thema des Tages

30-03-2017 14:40

In der Savanne

Während sich in Europa Meeresluftmassen, die mit atlantischen
Tiefausläufern zu uns gelangen, mäßigend auf das Temperaturregime
auswirken, treten die Extrema auf der Erde stets in meeresfernen,
wetterberuhigten Arealen auf. Dazu zählen außerhalb der ?Regenzeit?
auch die Trockensavannen, die in Westafrika südlich der Sahara zonal
von West nach Ost verlaufen, und, je nach geographischer Breitenlage
und Jahreszeit, entweder im Bereich des ?subtropischen
Hochdruckgürtels? (Trockenzeit) oder im Bereich der ?innertropischen
Konvergenzzone? (Regenzeit) liegen. Die Region gehört zur
?Großlandschaft Sudan?, dabei dürfte den meisten Zeitgenossen der
unmittelbare Übergangsbereich zwischen der quasi völlig trockenen
Wüste und der wechselfeuchten Savanne als medialer Begriff
?Sahelzone? eher bekannt sein.

Innerhalb des subtropischen Hochdruckgürtels dominieren absinkende
Luftbewegungen, d.h. die dort vorherrschende ?Tropikluft? ist relativ
trocken, stabil geschichtet und verhindert jegliche Konvektion und
damit Wolken- und Niederschlagsbildung. Die mit der Nordverlagerung
der innertropischen Konvergenzzone herangeführten äquatorialen
Luftmassen sind dagegen feucht und labil geschichtet, so dass sie
während der Regenzeit im nordhemisphärischen Sommer zeit- und
gebietsweise intensive und ergiebige Niederschläge hervorbringen
können. Dabei verkürzen sich die Regenperioden nach Norden hin, bis
sie schließlich im Wüstenklima der Sahara völlig verschwinden. In
Richtung Äquator verlängert sich die feuchte Zeit und an der
Guineaküste herrscht tropisches Regenklima mit ganzjährigen
Niederschlägen.

Derzeit herrscht in der westafrikanischen Trockensavanne am Tage bei
hoch stehender Sonne vorwiegend wolkenarmes Wetter, daher ist nach
langer und noch bis Mai/Juni andauernder Trockenzeit und folglich
geringem Pflanzenbewuchs die am Boden empfangene (kurzwellige)
Strahlung gewaltig. Auch die nächtliche (langwellige) Ausstrahlung
ist bei meist klarem Himmel beträchtlich. Dennoch verbleibt insgesamt
ein positiver Strahlungssaldo, dessen Betrag etwa doppelt so hoch wie
in Mitteleuropa ist. Wo bleibt nun diese Energie? Verdunstung findet
wegen Wassermangels nicht statt. Der ausgetrocknete Boden leitet die
Wärme schlecht, kann also die eingestrahlte Energie kaum aufnehmen.
Nur durch die Erhöhung der Lufttemperatur kann der hohe
Energieüberschuss abgeführt werden.

Dementsprechend sind in diesen Frühlingstagen in der Savanne
Westafrikas Tageshöchsttemperaturen über 40 °C keine Seltenheit,
wobei es unmittelbar am Boden noch viel heißer ist. Als Beispiel sei
die Station Kayes (14°27' N, 11°26' W, 33 m Höhe) im Südwesten der
Republik Mali im Dreiländereck mit Mauretanien und dem Senegal
genannt. Nach Frühtemperaturen von ca. 34 °C am gestrigen 29. März
erreicht das Quecksilber rasch die 40-°C-Marke, steigt bis zum
Nachmittag auf den Höchstwert von 45,5 °C, um dann gemächlich, nach
Sonnenuntergang etwas rascher abzusinken. Zum Vergleich: Das mittlere
Temperaturmaximum in Kayes beträgt im März 39,4 °C und im April 41,7
°C. Laut englischsprachiger Wikipedia ist Kayes die heißeste, dauernd
bewohnte Stadt des Kontinents und besitzt deshalb den Kosenamen
?Schnellkochtopf Afrikas?. Aber auch am Flugplatz Yelimane
unmittelbar an der mauretanischen Grenze (Distrikt Kayes, 15°07' N,
10°34' W, 99 m Höhe) kletterte das Quecksilber auf 45,5 °C.

Unter http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2017/03/30.html
finden Sie eine Karte Westafrikas vom Mittwoch, den 29.03.2017, 18:00
Uhr UTC, mit den Tageshöchsttemperaturen (in ganzen °C) ausgewählter
Wetterstationen, unterlegt mit einem im infraroten Spektralbereich
aufgenommenen Satellitenbild (Meteosat Second Generation, Kanal bei
10,8 µm). Während etwa nördlich von 10° Nord die derzeit heißesten
Temperaturen auf der Erde gemessen werden, hat weiter südlich im
Bereich der Oberguineaschwelle mit den dort auftretenden mächtigen
und hoch reichenden Gewitterkomplexen bereits der ?westafrikanische
Monsun? begonnen.


Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.03.2017

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