Thema des Tages

06-07-2017 14:40

Deutschland und die Luftmassengrenze

Wer sich am gestrigen Mittwoch unweit der deutschen Nord- oder
Ostseeküste aufgehalten hat ? angesichts der angelaufenen Ferienzeit
dürften das gar nicht mal so wenige gewesen sein -, hat definitiv
keinen Hitzschlag erlitten. Gerade mal 16 bis 20°C lautete die
Tagesbilanz der Höchsttemperatur. Nun zählen Nord- und Ostsee
naturgemäß nicht unbedingt zu den Meeren, die mit badewannenähnlichen
Wassertemperaturen aufwarten (meist ist man schon froh, wenn die
18-Grad-Marke überschritten wird). Doch auch fernab der Küste, also
im norddeutschen Binnenland war es nicht wesentlich wärmer, Werte um
oder etwas über 20°C sind Anfang Juli wahrlich keine Offenbarung.

Ganz anders dagegen der Süden unseres Landes. Vom Mittel- und
Oberrhein bis hinüber nach Ober- und Niederbayern erwärmte sich die
Luft auf satte 28 bis 32°C, im Raum Basel sogar auf 33°C, was dem
einen oder anderen dann schon wieder fast zu viel des Guten war. Wie
auch immer, der interessierte Beobachter stellt sich nun natürlich
die Frage, wie es zu solch großen Spannen von über 15 Grad kommen
kann. Hauptursache ist eine sogenannte Luftmassengrenze, die grob
gesprochen von West nach Ost orientiert mitten über Deutschland
liegt. Wie der Name schon sagt, trennt diese Luftmassengrenze
verschiedene Luftmassen: während in den Norden maritime und nur mäßig
temperierte Luft aus subpolaren Breiten eingeflossen ist, hat sich im
Süden sehr warme bis heiße Subtropikluft aus südlichen Gefilden
breitgemacht.

Doch nicht nur am Tag waren die Temperaturunterschiede groß, auch in
der Nacht zum Donnerstag gab es erhebliche Unterschiede. Im Süden und
Südwesten blieb es an einigen Orten mit Minima von 18 oder 19°C
ziemlich ?mollig?. Dagegen kühlte es im Norden gebietsweise bis in
den einstelligen Bereich ab. In Schleswig-Holstein (z.B. in Hohn oder
in Hattstedt) wurde in 2 m Höhe eine Tiefsttemperatur von nur 5°C
registriert, in Leck unweit der Grenze zu Dänemark lag das Minimum am
Erdboden sogar nur bei 1°C, was nicht weit von Bodenfrost entfernt
ist!

Am heutigen Donnerstag bleiben uns Luftmassengrenze und
Temperaturgegensätze erhalten (siehe Grafik), allerdings legt die
Temperatur in beiden Zonen etwas zu. Bei leichtem Hochdruckeinfluss ?
im Norden schwingt Hoch GISELA das Zepter, im Süden zeichnet eher
FRANCOISE verantwortlich ? und reichlich Sonneneinstrahlung werden im
Norden 19 bis 25°C erwartet, während in der Südhälfte 29 bis 35°C auf
der Karte stehen mit den höchsten Werten im Oberrheingraben. Dabei
muss besonders im Südwesten mit einer hohen Wärmebelastung gerechnet
werden.
Doch nicht nur das, ab Donnerstagmittag steigt auch die
Gewitterwahrscheinlichkeit wieder an. Zunächst entwickeln sich über
dem süd- und südwestdeutschen Bergland vereinzelte Hitzegewitter, die
aber durchaus kräftig ausfallen können. Gleichzeitig greifen von
Belgien und Luxemburg erste Gewitter auf die westlichen Landesteile
über, die sich ostwärts verlagern. Am Abend und in der Nacht folgen
dann mit dem kleinen Tief UWE weitere Gewitter nach, die sich in
einem breiten Streifen über der Mitte nach Osten ausweiten. Dabei
besteht ab dem Nachmittag durchweg Unwettergefahr durch größeren
Hagel bis oder um 3 cm Durchmesser und Starkregen von 25 bis 40 mm
binnen kurzer Zeit. Zudem muss in Einzelfällen mit schweren Sturmböen
um 100 km/h gerechnet werden. Informationen zur aktuellen Warnlage
erhalten sie wie immer unter www.dwd.de oder auf der WarnWetter-App
des DWD.

Last but not least ein flüchtiger Ausblick auf die nächsten Tage. Am
Freitag kommt es besonders im Süden und Osten sowie in Teilen der
Mitte zu kräftigen Gewitter bis hin zu Unwettern. Dazu 23 bis 27°C im
Norden (Küste etwas darunter) und schwülwarme 28 bis 33°C im Rest des
Landes.
Am Samstag beruhigt sich die Lage etwas. Dabei präsentieren sich der
Norden und die Mitte unterschiedlich bewölkt, gelegentlich regnet es
etwas bei 22 bis 29°C. Im Süden scheint häufig die Sonne, bevorzugt
über dem Bergland entwickeln sich aber einzelne Gewitter bei
weiterhin schwülen 29 bis 33°C. Für Sonntag wird die Vorhersage
unsicher, vor allem was die Gewitterei angeht. Es deutet sich aber
erneut eine Zunahme der Gewitterwahrscheinlichkeit im Süden und
Südwesten an, wo es weiterhin heiß bleibt (29-33°C). Ansonsten sollte
man sich auf ein Mixtum compositum von Wolken, Sonne und nur wenigen
Schauern bei 22 bis 28°C, an der See um 20°C einstellen.

Dipl.-Met. Jens Hoffmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.07.2017

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