Thema des Tages

24-10-2017 14:40

Heute vor 14 Jahren - Winter in Deutschland

Nach einem Rekordsommer 2003, an den sich vor allem viele Süddeutsche
sicherlich noch gut erinnern können und der Mitte August noch
Höchsttemperaturen bis zu 40 Grad brachte, folgte nur zwei Monate
später eine extrem kalte Witterungsperiode mit mäßigen Nachtfrösten
von zum Teil unter -5 Grad. Der Oktober 2003 liefert somit einen
bemerkenswerten Kontrast zum diesjährigen Herbstmonat. Zwar startete
der Oktober 2003 mit einer Südwestströmung noch warm, doch nach einer
Woche stellte sich die Großwetterlage markant um. Der Höhepunkt
dieser Umstellung wurde ab dem 20. Oktober erreicht, als sich durch
ein Hochdruckgebiet vom Nordmeer bis nach Island und zugleich
zyklonalem, also tiefdruckgeprägtem Wetter in Mitteleuropa, die
"seltene" Wetterlage HNz (Hoch Nordmeer-Island, Mitteleuropa
zyklonal) einstellte und bis einschließlich 26. Oktober anhielt. Mit
Nordostwinden flossen über mehrere Tage hinweg arktische Luftmassen
nach Deutschland und ließen die Temperaturen auf immer tiefere Werte
sinken.

Am Morgen des 24. Oktober 2003 herrschte bis auf ganz wenige
Ausnahmen an der Küste sowie am Hochrhein landesweit Frost. Oft lagen
die Temperaturen sogar im mäßigen Frostbereich zwischen -5 und -10
Grad, wie zum Beispiel die Tiefsttemperaturen von Hamburg-Fuhlsbüttel
mit -7,1 Grad und Düsseldorf (NRW) mit -5,4 Grad belegen. Diese Werte
erinnern weniger an Oktober als an Hochwinter und sorgten vielerorts
für neue Monatsrekorde.

Auch die Höchstwerte waren für Oktober sehr beeindruckend. In
Bremervörde (Niedersachsen) stoppte die tageszeitliche Erwärmung
bereits bei -0,2 Grad, dort wurde also ein im Oktober extrem seltener
Eistag registriert. Aber auch im Süden gab es gebietsweise einen
Eistag oder zumindest Temperaturen nahe 0 Grad, wie beispielsweise in
Kaufbeuren (Bayern) mit maximal -1,8 Grad oder am Bodensee an der
Wetterstation Friedrichshafen-Unterraderach (Baden-Württemberg) mit
0,2 Grad. Die tiefen Höchstwerte machten zum einen starke Bewölkung
(fehlende Einstrahlung) und zum anderen Schneedecken (Unterbrechung
des Bodenwärmestroms), die es südlich der Donau verbreitet und in
Niedersachsen durch vorangegangene Schneeschauer strichweise gab erst
möglich. So bedeckte in der Früh südöstlich von Bremerhaven an der
Station Loxstedt-Bexhövede (Niedersachsen) eine 6 cm hohe Schneedecke
den Boden. Im Alpenvorland wurden verbreitet Schneehöhen zwischen 1
und 10 cm gemessen. Auf der Zugspitze war die Schneedecke bereits 105
cm mächtig. Ein Vergleich mit der morgendlichen Schneehöhe am
heutigen Dienstag, 24. Oktober 2017, offenbart, dass selbst nach den
andauernden Schneefällen der vergangenen beiden Tage in den höher
gelegenen Alpenregionen "nur" 52 cm auf der Zugspitze liegen und
damit rund die Hälfte von vor 14 Jahren.

Von derlei winterlichen Eskapaden waren wir im bisherigen Oktober
sehr weit entfernt und auch die kommenden Tage versprechen
diesbezüglich keine Überraschungen. Ganz im Gegenteil, von Westen
fließt vorübergehend nochmal milde und feuchte Luft nach Deutschland,
in der es im Südwesten des Landes mit Sonnenunterstützung nochmals
für Werte knapp über 20 Grad reichen könnte. Nachtfrost ist selbst in
ungünstigen Tallagen Süddeutschlands vorerst also noch kein Thema.

MSc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.10.2017

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