Thema des Tages

23-11-2017 14:40

Auf den "Martinssommer" folgt erneut die kalte Schulter des
Frühwinters!

Sonnenschein und Höchstwerte zwischen 14 und 19 Grad ließen am
gestrigen Mittwoch im Südwesten Frühlingsfeeling aufkommen! Dort
stiegen die Temperaturen auf Maxima um 18 Grad. Den Spitzenwert
registrierte die Station in Müllheim (BW) mit einem Maximum von 18,1
Grad. Es folgten Freiburg mit 17,8 Grad und Metzingen mit 17,5 Grad.
Am heutigen Donnerstag sind in den genannten Regionen lokal sogar
Höchsttemperaturen bis 20 Grad möglich. Auch sonst werden in
Deutschland milde bis sehr milde Werte zwischen 10 und 17 Grad
erwartet. Entsprechend gelangen regional wieder Novemberrekorde oder
zumindest Dekadenrekorde in Reichweite.

Völlig außergewöhnlich ist eine Wärmeperiode vor allem Mitte November
jedoch nicht, schon die Bauernregeln geben Hinweise auf diese
überdurchschnittlichen Temperaturen. Im Volksmund wird eine typische
Schönwetterperiode aufgrund stabiler Hochdrucklagen gegen Ende der
ersten Novemberdekade vor allem in der Schweiz und Süddeutschland als
"Martinssommer" oder "Martini-Sommer" bezeichnet. Dort ermöglicht die
Wärmeperiode in den Weinbaugebieten eine Novemberlese. Aus
meteorologischer Sicht gehören diese Tage zu den stetigen
Singularitäten. Mittlerweile wird der Ausdruck Martini-Sommer im
gesamten deutschsprachigen Raum angewendet.

Der Glaube an diese sogenannten Lostage geht auf Gebräuche des
Altertums zurück, die später von der christlichen Kirche übernommen
wurden. Im Mittelalter wurden diese Termine und andere Bauernregeln
meist mündlich u.a. in "Bauernpraktiken" sowie in
landwirtschaftlichen Kalendern überliefert. Im Falle des
"Martini-Sommers" ereignete sich der Legende nach dieses
Wetterphänomen erstmals beim Tod des heiligen Martin im französischen
Tours. Der Bischof starb unerwartet während eines Besuches im
Kloster, das er gegründet hatte. Bei der Überführung seines Leichnams
auf der Loire in die Stadt sorgte ein plötzlicher Wärmeeinbruch
dafür, dass die Ufer neu ergrünten und Obstbäume zu blühen begannen.
Dieser Vorgang wurde damals als vermeintliches Wunder angesehen. Der
"Martinssommer" ist demnach eine Zeit mit einigen warmen Tagen kurz
vor der dunklen Winterzeit.

Dem Volksmund nach währt der "Martinssommer" jedoch nicht lange. Und
so ist es auch in diesem Jahr! Schon am Freitag machen sich von
Nordwesten her Regen und kältere Luft auf den Weg, das Land wieder zu
fluten. Auch wenn sich der Süden Deutschlands nach Kräften wehrt,
siegt doch am Ende der Frühwinter. Mit Umstellung der Wetterlage auf
Nordwest wird die sehr milde bis warme Luft wieder ausgeräumt.
Zwischen hohem Luftdruck über Westeuropa sowie dem Ostatlantik und
einem Tiefdruckwirbel über Skandinavien strömt vom Nordmeer über die
Nordsee hinweg zunehmend kalte Polarluft ins Land (vgl. Graphik).
Damit gehen die Temperaturen auf Sinkflug und sollen am Sonntag nur
noch Höchstwerte zwischen 2 und 8 Grad erreichen. Gleichzeitig sinkt
die Schneefallgrenze allmählich wieder ab, so dass im Verlauf bis in
mittlere Höhenlagen erneut die feste weiße Phase dominiert. Nachts
macht sich zudem vor allem in der Südhälfte Frost breit.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.11.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst