Thema des Tages

12-02-2018 09:50

Auswirkungen des Flugverkehrs auf das Klima

Sowohl Kraftfahrzeuge als auch Flugzeuge verbrennen Ölderivate und
geben die Verbrennungsrückstände in die Atmosphäre ab.
Es gibt aber zwei wichtige Unterschiede:
Zum einen laufen in den Höhen, in denen Flugzeuge normalerweise
fliegen, chemische Reaktionen teilweise anders als in Bodennähe ab.
Zum anderen verbleiben in 10 km Höhe ausgestoßene Teilchen wesentlich
länger in der Atmosphäre als die entsprechenden Stoffe aus einem 10
cm hoch gelegenen Auspufftopf.
Während sich die chemischen Vorgänge unserer unmittelbaren
Gefühlswelt entziehen, können wir aber ein anderes Phänomen der hoch
fliegenden Flugzeuge regelmäßig beobachten. Es handelt sich um
Kondensstreifen, die von Verschwörungstheoretikern auch als
Chemtrails bezeichnet (betrachtet?) werden und inzwischen auch einen
eigenständigen meteorologischen Wolkenbegriff haben, nämlich Cirrus
homogenitus (Vom Mensch erzeugte Schleierwolke). Unabhängig von deren
detaillierter Zusammensetzung handelt es sich hauptsächlich um aus
Wasserdampf bestehende Wolken, die sich in der langlebigen Art als
Schleierwolken präsentieren und sich bisweilen sogar ausschneien,
wobei der Niederschlag den Erdboden aber nicht erreicht.
Wolken haben nun zweierlei klimatologische Effekte. Die nach oben
weiße Oberfläche der Wolken reflektiert die Strahlung und sorgt damit
für eine Abkühlung der Atmosphäre. Andererseits verringern Wolken die
Ausstrahlung der warmen Erde in den mehr als eiskalten Weltraum. Ob
der wärmende oder abkühlende Effekt der Kondensstreifen überwiegt ist
noch unklar. ?Jede? neue Studie führt zu unterschiedlichen
Ergebnissen.

Welche klimarelevanten Stoffe bringen Flugzeuge nun in die höhere
Atmosphäre ein und wie wirken sie sich auf die Klimaerwärmung aus?
1. CO2 als bekanntestes Treibhausgas.
2. Stickoxyde, die am Boden zur Feinstaubverordnung führten,
reduzieren in der Höhe das stark klimarelevante Methan und verstärken
die Ozonschicht. Ein in Bezug auf solare Strahlung gern mitgenommener
Effekt, der aber andererseits auch zur Erwärmung beiträgt.
3. Die bei der Verbrennung entstehenden Sulfate führen zu einer
Abkühlung durch Gegenstrahlung.
4. Wasserdampf und sonstige Schwebeteilchen tragen ebenfalls zur
Erwärmung bei.
Der überwiegende Einfluss, der etwa ein Drittel ausmacht, kommt wohl
von Wolkenbildung aufgrund von Kondensstreifen.

Da Forschung in großen Höhen (bis ca. 12 km) schwierig ist, wird es
noch dauern und noch umfangreiche Untersuchungen bedürfen, um
belastbare Kenntnisse über den Umfang der durch den Flugverkehr
induzierten Klimaänderung zu erhalten. Man rechnet für 2020 mit einem
Einfluss des Flugverkehrs auf die Klimaerwärmung von 5 %, aufgrund
der noch mangelhaften Kenntnisse jedoch mit relativ großer
Ungenauigkeit.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.02.2018

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