Thema des Tages

13-02-2018 09:20

Faschingszeit - zwischen Winter und Frühling

Zum Endspurt des diesjährigen Faschings (bzw. Karnevals oder
Fasnachts) blicken wir einmal zurück und schauen uns an, wie
unterschiedlich das Wetter an den jecken Tagen sein kann. Mitunter
kann sich das Wetter tief winterlich präsentieren, während in manchen
Jahren hingegen bereits Frühlingsgefühle aufkommen. Ein Grund dafür
liegt darin, dass die närrischen Tage jedes Jahr auf unterschiedliche
Termine fallen. Der Veilchendienstag (auch Faschingsdienstag,
Karnevalsdienstag oder Fasnachtsdienstag genannt) beispielsweise ist
immer 47 Tage vor dem Ostersonntag. Der im Christentum bedeutsame
Ostersonntag fällt immer auf den ersten Sonntag nach dem ersten
Vollmond im Frühling (Osterformel aus dem Jahre 325). Danach richten
sich natürlich auch die Termine des Veilchendienstags. Der
frühestmögliche Termin eines Veilchendienstags ist der 3. Februar.
Dies war zuletzt im Jahre 1818 der Fall und wir werden einen solch
frühen Fasching auch nicht mehr erleben (das nächste Mal erst im
Jahre 2285). Der spätestmögliche Termin ist mehr als ein Monat
später, nämlich erst am 9. März (letztmals 1943 und das nächste Mal
im Jahr 2038). Somit ist der diesjährige Fasching relativ früh im
Jahr und die "Session" dadurch ziemlich kurz gewesen.



Doch nun kommen wir zurück zum Wetter. Um spektakuläres
Faschingswetter zu finden, müssen wir gar nicht weit in die
Vergangenheit schauen. Vor 2 Jahren zum Beispiel brachte das kräftige
Sturmtief "Ruzica" sehr turbulentes Wetter. Verbreitet gab es
Schauer, in denen der Wind teils mit Sturmstärke über das Land fegte.
Vielen bleiben sicherlich noch die Absagen zahlreicher
Rosenmontagsumzüge in Erinnerung. Nur wenige Regionen wurden davon
verschont und konnten die Umzüge bei Sonnenschein genießen. Aber auch
im letzten Jahr sorgte Sturmtief "Thomas" bei manchen Organisatoren
für Kopfzerbrechen.



Richtig winterlich war es deutschlandweit hingegen zuletzt im Jahre
2010. Damals befand sich an den Faschingstagen (14. bis 16.2.) fast
ganz Deutschland unter einer dicken weißen Schneedecke. Selbst in den
Karnevalshochburgen am Rhein lagen damals einige Zentimeter Schnee
und nicht nur die Rosenmontagsbesucher bibberten am Straßenrand bei
Dauerfrost. Auch 2013 (10. bis 12.2.) war es recht kalt mit
teilweisem Dauerfrost und einer Schneedecke in vielen Regionen
Deutschlands. Noch dickere Kostüme waren im Kältewinter 1986 gefragt.
In der Nacht auf den Faschingssonntag (9.2.) sank die Temperatur
damals deutschlandweit (mit Ausnahme der Nordfriesischen Inseln) auf
-10 bis -25 Grad. Auch am Faschingssonntag selbst blieb das
Thermometer im Mittelgebirgsraum ganztags unter -10 Grad und sogar am
Rhein wurden seinerzeit nur um -8 Grad gemessen. Glücklicherweise
wurde es zumindest zu den Rosenmontagsumzügen ein paar Grad weniger
frostig.



Ganz anders sah es im Jahr 1992 aus. Bei frühlingshaften Temperaturen
von vielfach über 15 Grad konnten am Faschingssonntag (1.3.) etwas
luftigere Kostüme angezogen werden. Am Oberrhein wurden sogar
Höchstwerte von 19 Grad gemessen. Noch wärmer war es am
Faschingssonntag zwei Jahre zuvor. In der Südhälfte stieg das
Thermometer am 25.2.1990 verbreitet auf Werte um oder sogar über 20
Grad, mit einem Spitzenwert von knapp 22 Grad in Rheinfelden am
Oberrhein. In den klassischen Karnevalshochburgen war es 1990 jedoch
etwas "kühler" als 1992.



Im Vergleich zu diesen Extremen verlief das Wetter an den närrischen
Tagen in diesem Jahr eher unspektakulär. Zwar besuchten uns sowohl am
Faschingssonntag als auch am gestrigen Rosenmontag einige Schnee- und
Graupelschauer, aber es war weder verbreitet tief winterlich oder
stürmisch noch frühlingshaft mild. Wenn schon das Wetter relativ
durchschnittlich war, konnte man sich wenigstens auf so manch
spektakuläre Wagen bei den Rosenmontagsumzügen konzentrieren. Am
heutigen Veilchendienstag und auch am morgigen Aschermittwoch werden
wir von viel Sonnenschein verwöhnt. Die Sonne scheint vielerorts an
beiden Tagen von früh bis spät, sodass in einigen Regionen wohl mehr
Sonnenstunden als im gesamten (und äußerst trüben) Januar genossen
werden können. Erst am Donnerstag beendet die nächste Front mit
Schnee, Regen und möglicherweise auch gefährlichen Glatteis das
sonnige Wetter.


Dipl.-Met. Dr. Markus Übel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.02.2018

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