Thema des Tages

26-03-2018 07:50

"Wenn's im März noch schneit, braucht der Spargel noch Zeit!"

Viele können es kaum noch erwarten! Nein, gemeint sind diesmal nicht
die anstehenden Osterfeiertage. Die Vorfreude auf die neue Saison ist
riesig! Nein, es handelt sich auch nicht um die nächste
Bundesligasaison. Es geht um unser liebstes Stangengemüse - den
Spargel!

"Edelgemüse", "königliches Gemüse", "Weißes Gold" - viele heroische
Synonyme ranken sich um die kulinarische Spezialität. Doch warum
eigentlich? Spargel ist sehr wetterempfindlich und wird nach wie vor
überwiegend per Hand geerntet, da er so nicht beschädigt wird. Die
Bestrebungen einer vorwiegend maschinellen Ernte werden aber weiter
verstärkt. Das macht ihn bei gleichzeitiger hoher Nachfrage aufgrund
seines saftig-milden Geschmacks so teuer. Das haben auch die
Gemüsehändler in den Mittelmeerländern (vor alle Spanien und
Griechenland) erkannt, die als ursprüngliche Heimat des Spargels
gelten. Exporte nach Deutschland in der Vorerntezeit der hiesigen
Spargelbauern stellen mitunter ein lukratives Geschäft dar. Daher
versucht man auch hierzulande durch beheizte Böden und dunkle
Abdeckplanen (stärkere Absorption der Sonnenstrahlung und damit
ebenfalls Erwärmung) die Ernte zu beschleunigen. Durch genannte
Maßnahmen kann man immerhin bis zu 2 Wochen Zeit gewinnen. Den
gegenteiligen Effekt erreicht man übrigens bei weißen Folien.

Hierzulande startet die Spargelsaison üblicherweise Mitte April und
endet traditionell am 24. Juni jeden Jahres (Johannestag oder auch
"Spargelsilvester"). Längere Erntephasen sind zwar möglich -
insbesondere bei verspätetem Beginn - der Spargel benötigt jedoch
dringend die Regenerationsphase im Sommer für die nächste Saison,
sagt doch eine alte Bauernweisheit: "Kirschen rot - Spargel tot!".
Allgemein gilt eine Ruhephase von 3 Monaten vor Auftreten der ersten
Fröste im Herbst als ideal.

Spätfröste, wenig Sonnenschein und Staunässe sind normalerweise Gift
für das sensible Gemüse. Besonders wohl fühlt es sich bei reichlich
Sonnenschein, in humusreichen, lockeren Böden mit Temperaturen von
mindestens 16 Grad und einem PH Wert um 6. Aufgrund der Witterung der
vergangenen Tage (März im Osten und Norden bisher rund 2 Grad zu kalt
und vor allem in der Südhälfte deutlich zu trüb) verwundert es daher
nicht, dass die Spargelbauern besorgt auf die nun anstehenden
Erntebeginn blicken.

Da auch in der Osterwoche keine grundlegende Wetteränderung zu
erwarten ist und vor allem der Norden des Landes bei einstelligen
Temperaturen zeitweise Schneeregen abbekommt, sehen die Prognosen für
die riesigen Spargelfelder in Brandenburg, Niedersachsen und
Nordrhein-Westfalen (laut statistischem Bundesamt wurden dort
15000-25000 Tonnen Spargel im Jahr 2015 geerntet) eher düster aus.
Spargelliebhaber müssen sich also leider sowohl auf einen verspäteten
einheimischen Spargelbeginn als auch auf teure Preise einstellen.

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.03.2018

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