Thema des Tages

21-04-2018 09:50

Sommertage, aber für 30 °C hat es (noch) nicht gereicht?

Dank des mitteleuropäischen Hochdruckgebietes NORBERT, das für klaren
Himmel sorgte, und einer bereits kräftigen Aprilsonne, konnten wir
seit dem vergangenen Mittwoch (18. April) in großen Teilen
Deutschlands die ersten ?Sommertage? genießen. ?Aber wir haben doch
erst April??, mag sich der eine oder andere Zeitgenosse fragen.
?Sommer ist doch im Juni, Juli, August??

Nun ist ein "Sommertag" im klimatologisch-statistischen Sinne
schlichtweg die Bezeichnung für einen Tag, an dem die unter
WMO-standardisierten Bedingungen in zwei Metern Höhe über Grund
gemessene Lufttemperatur 25 °C erreicht oder überschreitet. Werden 30
°C erreicht oder überschritten, spricht man von einem ?Heißen Tag?,
?Hitzetag? oder traditionell von einem ?Tropentag?.

Dabei sind sowohl die in den üblichen Wettervorhersagen als auch die
bei meteorologischen Extremwertbetrachtungen genannten Temperaturen,
so auch die Tageshöchsttemperaturen, natürlich stets "im Schatten"
gemeint. Man will ja die Lufttemperatur erfassen und nicht zusätzlich
den Strahlungseinfluss erhitzter Oberflächen berücksichtigen.

Während die stündlichen Temperaturbeobachtungen mathematisch gesehen
?Stützstellen? der Kurve des Temperaturverlaufes sind, stellt sich
die Tageshöchsttemperatur irgendwann im Verlaufe des Tages ein. Sie
wird im praktischen Wetterdienst traditionell mit einem sogenannten
?Maximum-Thermometer? gemessen, das jeweils um 18:00 Uhr UTC
abgelesen wird, bzw. in modernen, automatisierten Beobachtungsnetzen
von elektronischen Sensoren bestimmt. Dieser so ermittelte
?18:00-UTC-Wert? ist, von wenige Ausnahmen abgesehen, auch die
tatsächliche Tageshöchsttemperatur.

Extremtemperaturen treten gewöhnlich bei ?Strahlungswetterlagen? auf,
wenn der lokale Energiehaushalt gegenüber den für unser
mitteleuropäisches Wetter und Klima wesentlichen, advektiven
Einflüssen deutlich überwiegt. Der tägliche Temperaturverlauf ist in
solchen Fällen stark mit dem Sonnenstand korreliert. Aufgrund der
?thermischen Trägheit? des Systems Erdoberfläche-Atmosphäre tritt die
Tageshöchsttemperatur jedoch nicht zur mittäglichen Kulmination der
Sonne auf (12:00 Uhr wahrer Ortszeit), sondern mit einer zeitlichen
Verzögerung, die in Mitteleuropa etwa zwei Stunden beträgt.

Unter Berücksichtigung dessen kann man hierzulande im Sommerhalbjahr
bei Hochdruckwetterlagen an sonnigen Tagen mit dem Eintreten des
Temperaturmaximums gegen oder nach 15:00 Uhr MESZ rechnen, im
Hochsommer bei großer Sonnenhöhe und langem Tagbogen der Sonne sogar
noch später.

In der unten stehenden Abbildung finden Sie die in Mitteleuropa am
gestrigen Freitag, den 20. April 2018, um 18:00 Uhr UTC registrierten
Tageshöchsttemperaturen. Wie gesagt, für 30 °C reichte es in
Deutschland nicht. Das benachbarte Salzburg dagegen erlebte mit exakt
30,0 °C den ersten Heißen Tag dieses Jahres.


Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.04.2018

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