Thema des Tages

09-07-2018 08:20

Eine kleine Sommerstatistik

Der Winter war lang und ging zumindest gefühlt direkt in den Sommer
über. Seitdem ist es überwiegend warm und gebietsweise auch sehr
trocken. Nun gibt es unterschiedliche Parameter, an denen man die
"Sommerlichkeit" festmachen kann. Zum einen kann man die
Sonnenscheindauer oder die gefallenen oder eben nicht gefallenen
Niederschläge betrachten. Zum anderen kann man sich aber auch die
Tage ansehen, an denen eine Höchsttemperatur von mindestens 25 Grad
erreicht wurde. Diese Tage werden als Sommertage bezeichnet.

Betrachtet man die zurückliegenden Monate, so übertraf seit April
jeder Monat die nach dem langjährigen Mittel zu erwartende Anzahl an
Sommertagen. Dieses Klimamittel bezüglich der Anzahl der Sommertage
hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten kontinuierlich
gesteigert, zum einen über das gesamte Jahr gesehen, aber natürlich
auch wenn man die Einzelmonate betrachtet. Die Entwicklung des
Jahresmittelwertes der Sommertage ist im dargestellten Diagramm
ersichtlich, in dem für ein paar ausgewählte Orte in Deutschland die
langjährigen Mittelwerte für 3 verschiedene Klimazeiträume von 30
Jahren (1961 bis 1990, 1971 bis 2000 sowie 1981 bis 2010) dargestellt
sind. Die im aktuellen Jahr 2018 bereits registrierte Anzahl an
Sommertagen (bis einschließlich 07.07.2018, roter Balken im Diagramm)
liegt vielfach schon sehr hoch. In Hamburg gab es in diesem Jahr
sogar bereits mehr Sommertage als normalerweise in einem gesamten
Jahr. Zur Verdeutlichung folgt eine entsprechende Auflistung an
Stationen (auch in der Tabelle ersichtlich, ohne Anspruch auf
Vollständigkeit und "ohne Gewähr"):
Hamburg 27 vs. 26,6 Sommertage (2018 vs. Klimamittel
1981-2010)
Hannover 29 vs. 32,4 Sommertage (2018 vs. Klimamittel
1981-2010)
Düsseldorf 35 vs. 39 Sommertage (2018 vs. Klimamittel 1981-2010)

Berlin 31 vs. 43,1 Sommertage (2018 vs. Klimamittel
1981-2010)
Erfurt 17 vs. 31,4 Sommertage (2018 vs. Klimamittel
1981-2010)
Frankfurt/Main 47 vs. 51,8 Sommertage (2018 vs. Klimamittel
1981-2010)
Stuttgart 38 vs. 46,8 Sommertage (2018 vs. Klimamittel
1981-2010)
München 32 vs. 46 Sommertage (2018 vs. Klimamittel 1981-2010)


Da stellt sich durchaus die Frage, ob wir geradewegs auf ein
Rekordjahr zumindest in Bezug auf die Häufung an Sommertagen
zusteuern...

Bisher gilt das Jahr 2003 in punkto Sommertage als Rekordhalter. Die
angefügte Grafik zeigt den Vergleich des aktuellen Jahres bis
einschließlich 07.07.2018 mit dem Rekordsommer 2003 für eine kleine
Anzahl ausgewählter Orte. Man kann erkennen, dass wir aktuell bereits
in etwa die Hälfte der Sommertage von 2003 angehäuft haben, obwohl
noch ein "ganzes Stück Sommer" vor uns liegt. Wenn wir uns nun mal
der Spekulation hingeben und ein wenig die potenziell möglichen
Sommertage überschlagen (2/3 des Juli mit etwa 20 Tagen, der August
mit 31 Tagen und dann vielleicht noch ein paar Tage im September,
sagen wir mal 10), dann kommen wir auf etwa 50 bis 60 mögliche
Sommertage. Auch wenn es wie in den kommenden Tagen mal eine kleine
Delle in der Temperaturkurve gibt und vielleicht "nur" 2/3 der
möglichen Tage mit Temperaturen jenseits der 25-Grad-Marke aufwarten,
bleiben noch 30 bis 40 weitere Sommertage übrig... Rein spekulativ
liegt es also im Bereich des Möglichen, dass der Sommer 2018 dem
Rekordsommer 2003 den Rang abläuft. Na dann lassen wir uns mal
überraschen, denn abgerechnet wird zum Schluss, genauer gesagt Ende
September oder Oktober, denn auch im Oktober sind einzelne Sommertage
nicht ungewöhnlich.


Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.07.2018

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