Thema des Tages

14-08-2018 10:50

Ein Paradies für Wespen

Was für ein Sommer! An dieser Stelle haben wir in den vergangenen
Tagen und Wochen bereits mehrfach auf die außergewöhnlich heiße und
trockene Witterung in weiten Teilen Deutschlands hingewiesen (siehe
zum Beispiel Thema des Tages vom 06.08.2018). Gerade im Zuge
verstärkter Freizeitaktivitäten hat man mittlerweile aber mehr
"Begleiter" um sich herum als einem lieb ist. Die Rede ist vom
derzeitigen "Ansturm" der Wespen.

Egal ob beim gemütlichen Grillfest mit der Familie, im Freibad mit
Freunden oder beim Gassi gehen mit dem Hund, die Plagegeister sind
überall - und damit sind nicht die eigenen Kinder gemeint ;)! Da
spielen gefühlt weder die Tageszeit noch die Frage ob pralle Sonne
oder komfortabler Schatten eine Rolle - sie kreisen einfach überall
hartnäckig um ihr Objekt der Begierde. Da die Wespe tagaktiv ist,
gibt es in den frühen Morgen- und späten Abendstunden allerdings
schon ein Minimum des surrenden Flugverkehrs. Dabei sind nur wenige
Unterarten (Deutsche und Gemeine Wespe) Menschen gegenüber
aufdringlich und aggressiv - die meisten leben "friedlich" in Wäldern
und auf Wiesen und ernähren sich von Nektar und zuckerhaltigen
Pflanzensäften. So verwundert es nicht, dass auch die penetranten
Vertreter vor allem Jagd auf zuckerhaltige Lebensmittel machen - die
Klassiker schlechthin sind süße Limonaden und Obstkuchen (Apfel,
Birne, Zwetschgen). Aber auch Deftiges wie Bratwürste und Pommes
stehen auf der Speisekarte ganz oben. Sie folgen also lediglich ihrem
Instinkt.

Doch lässt sich statistisch überhaupt belegen, dass es in diesem Jahr
eine besonders hohe Wespenpopulation gibt? Nein. Eine Wespenzählung
oder zumindest grobe Schätzung wäre aufgrund der Vielzahl und
weitläufigen Verbreitung der Nervensägen viel zu aufwändig und
ungenau. Daher muss die subjektive Wahrnehmung herhalten, die
naturgemäß sehr unterschiedlich sein kann. Schädlingsbekämpfer
vermelden allerdings volle Auftragsbücher und kommen teilweise kaum
hinterher - zumindest ein Indiz.
Widmen wir uns im Folgenden einmal unserer Hauptexpertise. Waren denn
die meteorologischen Bedingungen in den vergangenen Monaten
förderlich für die Wespenvölker? Die Insekten lieben Wärme und
Trockenheit, am besten schon während des Larvenstadiums im Frühjahr.


Zur Erinnerung: Der April 2018 war der wärmste seit Beginn der
Temperaturmessungen. Ende Mai folgte die erste Hitzewelle des Jahres.
Im gesamten Frühjahr fielen landesweit nur rund 75% der im
klimatologischen Mittel üblichen Regenmengen. Gleichzeitig schien in
den Monaten März, April und Mai im Schnitt mehr als 600 Stunden die
Sonne. Damit gehörte der Frühling 2018 zu den vier sonnigsten seit
Messbeginn 1951. Die Sommermonate führten diesem Trend bisher nahtlos
fort - noch Fragen?

Fällt zu viel Regen, schimmeln die Nester und die Völker sterben. Den
eigenen Flüssigkeitsbedarf ziehen sie aus ihrer Nahrung. Wasser
benötigen sie eigentlich nur für ihre Nester: Zum Bau (Papiernester
aus Zellulosefasern) sowie zur Kühlung (siehe DWD Wetterlexikon
"Verdunstung"). Mit den tieferen Temperaturen im Herbst - spätestens
mit den ersten Nachtfrösten - sterben die Völker. Nur die Königin
überlebt, überwintert und gründet im Frühjahr ein neues Wespenvolk.
Etwa ab Mai bauen sie ihre Nester und schwärmen wieder aus. Dann
beginnt die Jagd auf ein leckeres Stück Kuchen und einen Schluck Limo
aufs Neue.

Bei allem Groll soll aber dringend darauf hingewiesen werden, dass
Wespen unter Artenschutz stehen (nicht jedoch die Deutsche und
Gemeine Wespe!) und in der Natur wichtige Aufgaben übernehmen - wie
die Beseitigung von faulem Obst, morschem Holz und toten Insekten.
Ziehen Sie demzufolge im Falle eines ortsnahen Wespennestes immer
einen Experten zu Rate, damit Sie den Rest des Sommers entspannt
genießen können.

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.08.2018

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