Thema des Tages

15-10-2018 09:20

VIKTOR und das Warten auf Godot

Die Großwetterlage zeigt sich aktuell recht persistent, sprich sie
lässt keine große Neigung erkennen, sich umzustellen. Das
osteuropäische Hoch VIKTOR, dessen Name aus dem Lateinischen kommt
und "Sieger" bedeutet, macht dabei ebendiesem Namen alle Ehre.
Immerhin hat es schon einige Schlachten gegen anrennende
Tiefdruckgebiete schlagen müssen und ist am Ende bisher immer als
Gewinner aus dem Kräftemessen hervorgegangen.

Bis zur Wochenmitte bleibt es auch bei dieser Konstellation, und
selbst in der zweiten Wochenhälfte ist VIKTOR auf unseren
Wetterkarten noch zu erkennen, allerdings zieht er sich dann nach
Osten zurück und verliert an Einfluss auf das Wetter in Deutschland.


Am heutigen Montag läuft das von VIKTOR angeworfene Heißluftgebläse
aber noch auf stärkster Stufe, immerhin steigen die Temperaturen
lokal nochmal auf bis zu 27 Grad. Danach schaltet VIKTOR zurück, am
Dienstag soll es in der Spitze nochmal um 25 Grad, am Mittwoch um 23
Grad werden. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass wir aktuell
in die zweite Oktoberhälfte rutschen, in der solche Temperaturen
alles andere als die Norm sind.

Neben den hohen Temperaturen hält Viktor auch viel Sonnenschein für
uns bereit. Damit macht er auch eher den sommerlichen als den
winterlichen Hochs alle Ehre, da letztere ja durchaus nicht selten
Nebel oder hochnebelartige Bewölkung mit sich bringen. Davon kann bei
VIKTOR keine Rede sein. Mit bis zu 11 Stunden Sonnenschein beglückte
er uns am gestrigen Sonntag (vgl. Grafik), und das ist aktuell das
astronomisch maximal Erreichbare.

Alles eitel Sonnenschein also? Nicht ganz. Insbesondere im Nordwesten
und Norden lässt die Kraft von Viktor langsam nach. Das bedeutet,
dass sich in den kommenden Tagen dort ein paar Wolken hereinschieben,
die hier und da auch etwas Regen bringen können. Viel wird es nicht
sein, daran gibt es nichts zu deuteln. Manche Modelle, auch das ICON
des Deutschen Wetterdienstes, sehen morgen und am Mittwoch von Hessen
über Ostwestfalen bis nach Niedersachsen bzw. in Mitteldeutschland
die Chance auf Schauer und auch mal ein kurzes Gewitter (vgl.
Grafik). Manche Modelle sehen das aber auch anders! An den Alpen gibt
es dann in der zweiten Wochenhälfte gewisse Chancen auf Regen.
Letztendlich kann man es aber drehen und wenden wie man will - die
erwarteten Regenmengen werden auch in der kommenden Woche wieder
überschaubar sein, verbreitet bleibt es trocken, und so hält auch die
Dürre vielerorts weiter an. Das Warten auf den Regen gestaltet sich
also ein wenig so wie das berühmte Warten auf Godot.

Und dies bleibt auch so, wenn VIKTOR in der zweiten Wochenhälfte
abdankt! Dann soll sich zwar tatsächlich von Norden eine schwache,
kaum wetterwirksame Kaltfront nach Deutschland vorarbeiten - und mit
dazu beitragen, dass Viktor endgültig seinen Weg ins Exil nach
Sibirien antritt. Das Problem ist nur: Ein Nachfolger steht schon
bereit! Hinter besagter Kaltfront schiebt sich von Westen ein Hoch
zur Nordsee, welches dann am kommenden Wochenende unser Wetter
dominiert.

Das neue Hoch könnte dabei den Namen WOLFGANG tragen. Der Namensteil
WOLF erklärt sich von selbst. Der Namensteil GANG stammt aus dem
Althochdeutschen und kann mit "Streit", "Ansturm" oder "Waffengang"
übersetzt werden. Da bleibt nur zu hoffen, dass der streitbare
WOLFGANG, so das Hoch diesen Namen denn bekommt, bei seinen
Auseinandersetzungen mit Tiefausläufern nicht so erfolgreich ist wie
VIKTOR.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.10.2018

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