Thema des Tages

12-11-2018 10:20

Die Rauchzeichen des Ätnas

Wer seinen Urlaub auf Sizilien verbringt, sollte den Ätna als eine
der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten besuchen. Mit 3340 m Höhe
ist der Ätna der höchste Vulkan Europas und gleichzeitig einer der
aktivsten der Erde.

Der Ätna ragt an der Ostküste Siziliens zwischen Catania und Messina
in die Höhe. Durch seinen Umfang von ca. 135 km und seine beachtliche
Höhe beeinflusst er das tägliche lokale Wetter und sorgt für
besondere klimatische Verhältnisse in der Region. Die Ostseite des
Ätnas profitiert vom Einfluss des Meeres. Dort regnet es häufiger und
auch heftiger. Im Mittel fallen dort um 1200 l/qm Regen im Jahr. Auf
der Westseite hingegen ist es mit etwa 700 l/qm im Jahr deutlich
trockener. Zudem sind die Niederschläge aufgrund der größeren
Entfernung zum Meer weniger intensiv. Auf der Nordseite kann es im
Winter durch Zustrom kühlerer Luftmassen aus Norden häufiger
schneien. Durch das kältere Lokalklima hält sich der Schnee dort auch
länger als auf der milderen Südseite. Im Winter tummeln sich von
Dezember bis März, manchmal auch bis April Skifahrer auf den Pisten
der Nordseite.

Durch die klimatischen Besonderheiten und die Höhe ist am Ätna auch
die Vegetation sehr vielfältig und einzigartig. Unterhalb von 600 bis
800 m werden überwiegend Obstbäume wie z.B. Zitrusfrüchte, aber auch
Oliven, Weintrauben, und an der Westseite auch Pistazienpflanzen
angebaut. Zwischen 800 und 1300 m wachsen Eichen und Esskastanien.
Bis in eine Höhe von 2300 m sind Schwarzkiefer, Buche (die südlichste
Ausdehnung dieser Baumart in Europa) und eine Birkenart, die nur dort
wächst und von der letzten Eiszeit übrig geblieben ist, beheimatet.
Oberhalb von 2300 m ist der Vulkan mit Ausnahme von ein paar Gräsern
vegetationslos.

Um diese Landschaften mit den regelmäßigen Vulkanausbrüchen am besten
bestaunen zu können, folgen nun ein paar Tipps. Neben passender
Kleidung und Schuhwerk ist es sehr hilfreich - manchmal auch
überlebenswichtig - vorher auf die Wettervorhersage bzw. die
aktuellen Wetterbedingungen zu achten. Denn es passiert oft, dass
sich das Wetter abrupt ändert: Eitler Sonnenschein kann sehr schnell
in kräftige Gewitter oder in dichten Nebel umschlagen. Es ist aber
relativ einfach, sich selber eine Wettervorhersage für die Besteigung
des Ätnas zu erstellen. Da der Ätna immer raucht, kann man aus der
Zugrichtung des Rauches rasch die Windrichtung ableiten. Anhand der
Verlagerung der Rauchschwaden ist auch eine Abschätzung der
Windgeschwindigkeit möglich.

Im Sommer scheint auf Sizilien häufig die Sonne und es ist trocken.
An solchen Tagen ist meist nichts zu befürchten. Aber ab und zu trügt
dieser Eindruck: Wenn schon am Vormittag vor 9 Uhr auf dem Gipfel des
Ätnas der Rauch beim Aufsteigen weiß erscheint und erste kleine
Quellwolken entstehen, während es anderswo noch wolkenlos ist, deutet
das darauf hin, dass die Luft allgemein feucht und labil geschichtet
ist. Dann ist in den kommenden 2 bis 3 Stunden von einer schnell
zunehmenden Gewittergefahr auszugehen. Der Gipfel liegt dabei sehr
bald in dichten Wolken (siehe Abbildungen 1.1 bis 1.4). Eine
Wanderung zu den Hauptkratern könnte im diesen Fall sehr gefährlich
werden.

Wenn der Rauch aber fast unsichtbar ist und anstatt aufzusteigen sich
eher den Hang hinab wälzt, liegen absinkende Bewegungen von trockener
Luft vor, so dass die Bildung von Wolken und somit auch die
Gewittergefahr sehr unwahrscheinlich sind (siehe Abbildung 2). Bei
diesen Wetterverhältnissen steht somit einer Wanderung zu den Kratern
nichts im Wege, außer der Ätna selbst macht dem Vorhaben einen Strich
durch die Rechnung, indem er Feuer und Asche spuckt.

Es gibt auch Tage, an denen der Gipfel einen Hut aus Wolken aufweist
und in unmittelbarer Nähe am Himmel quasistationäre linsenförmige
Wolken (Altocumulus lenticularis, Link unten) zu sehen sind (siehe
Abbildung 3). Bei einem solchen Anblick muss in den höheren Lagen des
Ätnas von Sturm ausgegangen werden, auch, wenn es auf Meeresniveau
windstill ist.

Mit diesen kleinen Tipps kann man bösen Überraschungen vorbeugen.
Für Urlauber, die gerade auf Sizilien weilen oder bis zum 19.
November einen Aufenthalt auf der Insel planen, sind für eine
Wanderung auf den Ätna beste Wetterbedingungen prognostiziert. Bei
viel Sonnenschein, in allen Höhen wenig Wind sowie angenehmen
Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad am Meer und um 0 Grad am
Hauptkrater in 3000 m Höhe kann die ganze Pracht der Ätnaregion
genossen werden.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.11.2018

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