Thema des Tages

08-12-2018 09:50

Bewegter zweiter Advent

Lange hat die typische Westwetterlage in Deutschland auf sich warten
lassen. Nun ist sie da. Mit einer kräftigen westlichen Strömung
ziehen seit gut einer Woche immer wieder Tiefdruckgebiete über
Mittel- und Nordeuropa hinweg, die einen sehr wechselhaften
Witterungsabschnitt in Deutschland eingeleitet haben. Endlich ist der
lang ersehnte flächendeckende Regen, der seit April fehlt, nach
Deutschland zurückgekehrt. Dieser hat schon mal für eine Entspannung
der Dürresituation gesorgt.
Neben Regen kommt jetzt durch das Tief "Marielou" auch der Sturm nach
Deutschland. Schon am gestrigen Freitag sind bei der zugehörigen
Kaltfrontpassage vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands
sowie an der Küste Sturmböen, vereinzelt auch schwere Sturmböen, im
Bergland sogar Orkanböen aufgetreten. Spitzenreiter war Tholey in
Saarland mit 93 km/h, gefolgt von Weißenburg in Bayern mit 91 km/h
und Mühldorf am Inn, ebenfalls in Bayern, mit 89 km/h. Der Brocken im
Harz und der Feldberg im Schwarzwald hatten vollen Orkan mit Böen bis
125 km/h bzw. 122 km/h.
Der Sturm bleibt für große Teile Deutschlands am heutigen Samstag und
am Sonntag ein Thema. Weitere Sturm-, teils auch schwere Sturmböen
bis 100 km/h, auf den Bergen Böen bis Orkanstärke um 130 km/h werden
erwartet. Also aufgepasst, wer in den Wäldern oder Parks spazieren
gehen will. Der Besuch der Weihnachtsmärkte zum zweiten Advent wird
zudem eine ungemütliche Angelegenheit, denn der Sturm peitscht den
Regen ins Gesicht und die Regenschirme können bei waagerecht
fliegenden Regentropfen ihren Zweck nicht erfüllen. Am Montag
schwächt sich der Wind zwar ab, jedoch sind starke bis stürmische
Böen, auf den Bergen Sturmböen weiterhin wahrscheinlich.
"Marielou" hat auch viel Regen in Gepäck: Insgesamt werden bis Montag
verbreitet 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter, in Staulagen der
Mittelgebirge 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter und an den Alpen 50
bis 80 Liter pro Quadratmeter erwartet. Für die Flüsse gibt es also
eine weitere Ladung Regen.
Zur Freude der Wintersportler fließt ab Sonntag kältere Luft nach
Deutschland ein. Dabei sinkt die Schneefallgrenze zunächst auf etwa
600 bis 800 m, in der neuen Woche auf 200 bis 400 m ab. Vor allem die
Alpen bekommen staubedingt bis Dienstag eine ordentliche
Schneepackung. Oberhalb von 800 bis 1000 m werden dort 20 bis 40 cm,
in Staulagen auch an die 50 cm Neuschnee erwartet. Im Erzgebirge,
Bayerischen Wald und Schwarzwald gibt es immerhin noch um 10 cm
Neuschnee.
Ob es zur Mitte der nächste Woche zu weiteren Schneefällen in den
Bergen kommt, oder ob es wieder milder wird, ist aus heutiger Sicht
unsicher.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.12.2018

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