Thema des Tages

16-12-2018 08:50

"Frontenfriedhof"

Deutschland ist derzeit Schauplatz eines Kampfes zwischen dem nach
wie vor nicht aufgebenden Hoch "Gotthard" über Westrussland und den
sich von Westen nähernden atlantischen Tiefausläufern. Sämtliche
Frontensysteme haben es zunächst schwer, sich gegen das starke und
blockierende Hoch durchzusetzen und verlieren ihre Wetterwirksamkeit
auf dem Weg nach Deutschland bis sie salopp gesprochen "sterben". Für
uns Meteorologen können solche blockierenden Lagen anspruchsvoll
sein, denn oft gehen diese in den Wintermonaten mit Schnee und
gefrierendem Regen einher.

Am heutigen dritten Adventsonntag legt sich der Ausläufer von
Sturmtief "Oswalde" über Schottland gegen das mächtige Hoch
"Gotthard" an und verliert aber kläglich. Mit dem letzten Atemzug
schafft er es jedoch, etwas Schnee nach Deutschland bis zur Elbe zu
bringen. Im Westen und Südwesten sowie im Süden geht der Schnee
mitunter in Sprühregen über, der in die bodennah kalte Luftschicht
fällt und an gefrorenen Oberflächen und Gegenständen gefrieren kann.
Die winterliche Stimmung motivieren viele, die Weihnachtsmärkte zu
besuchen. Achten Sie dabei unbedingt auf die Verhältnisse auf Straßen
und Gehwegen!

In der vorweihnachtlichen Woche geht der Kampf in die nächste Runde.
Die Angriffe enden für die Tiefausläufer wieder "tödlich".
Deutschland wird dabei zu einem "Frontenfriedhof". Auf die
Wetterentwicklung übertragen bedeutet dies: einer eher milden, meist
frostfreien Westhälfte steht eine noch mäßig kalte, vor allem nachts
frostige Osthälfte entgegen. Die zeitweiligen Niederschläge fallen im
Westen daher durchweg als Regen, im Osten teilweise noch als
gefrierender Regen. Die Sonne zeigt sich nur gelegentlich, oft ist
der Himmel wolkenverhangen.

Die Tiefausläufer geben allerdings bis zuletzt nicht auf und am Ende
schaffen sie es, das Hoch über Russland soweit zu verdrängen, dass
die mildere Luft sich bis zum vierten Advent mit erhöhter
Wahrscheinlichkeit fast überall in Deutschland durchsetzt. Die Gefahr
von gefährlicher Glätte sinkt dabei, aber der Traum von einer weißen
Weihnacht' würde für viele platzen. Wer dann Schnee sehen möchte,
müsste in die Alpen und in die östlichen Mittelgebirge fahren.


Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.12.2018

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