Thema des Tages

11-01-2019 09:20

Blitz und Donner? - Nicht nur im Sommer!


Zugegeben, der "Reim" in der Überschrift ist vielleicht nicht so ganz
gelungen, aber die Richtung des heutigen Thema des Tages dürfte
trotzdem rüber gekommen sein. Klar, es geht um Gewitter und zwar um
Gewitter in einer Jahreszeit, in der man als
"Wetternormalverbraucher" an vieles denkt, aber wohl kaum an
Gewitter: dem Winter.

"Wie, Gewitter im Winter? Gibt?s so was wirklich?" hört man es immer
wieder fragen und vielleicht haben Sie sich gerade beim Lesen ja auch
selbst eine dieser Fragen gestellt. Ohne Frage, Wintergewitter sind
im mitteleuropäischen Raum relativ selten und wenn sei auftreten,
fehlt meist der von ihren sommerlichen Kollegen gewohnte "Wumms".
"Rummsen" tut es dann aber wie gesagt doch hin und wieder. So
beispielsweise vergangenen Dienstag und Mittwoch. In den beigefügten
bunten Bildchen sind die aufgetretenen Blitze als gelbe Rauten
dargestellt. Die Farbflächen im Hintergrund stehen für die Temperatur
in knapp 5,5 km Höhe über Normalnull. Wie diese mit den aufgetretenen
Blitzen bzw. den Gewittern in Verbindung steht, dazu gleich mehr. Was
nämlich vielleicht jetzt schon der/dem ein oder anderen auffällt,
ist, dass das Gros der gelben Rauten über tiefblauen Regionen zu
finden ist, also dort, wo es zumindest in der Höhe mit am kältesten
ist (bezogen auf diesen Kartenausschnitt).

Blickt man in das Rezeptbuch für Gewitter so ist eine der
Grundzutaten eine labile Schichtung der Luft, d.h. die Temperatur der
Luft muss mit der Höhe abnehmen und zwar je stärker, desto besser.
Dadurch wird für die Luft die Voraussetzung geschaffen, rasch
aufsteigen zu können. Der in ihr enthaltene Wasserdampf kann dabei
dann kondensieren und anschließend zu einer Gewitterwolke anwachsen.
Diese Labilisierung lässt sich durch zwei Wege einleiten: Bodennahe
Überhitzung (wie z.B. bei sommerlichen Wärmegewittern) oder
einfließende Kaltluft in der mittleren und oberen Troposphäre, also
z.B. in etwa 5,5 km Höhe.

Letzteres war vergangenen Dienstag und Mittwoch der Fall, wie man den
beiden Karten entnehmen kann. Ein Tief in höheren Luftschichten zog
am Dienstag und Mittwoch von der südlichen Ostsee über Polen weiter
südwärts und brachte einen Schwall höhenkalter Luft mit sich, die
Deutschland von der Ostsee her südwestwärts flutete. Zum Teil lag die
Temperatur in knapp 5,5 km Höhe bei unter -35 Grad. Den letztlichen
Anstoß zum Aufstieg der Luft lieferte das eben erwähnte Tief in
höheren Luftschichten.

Bereits am morgigen Samstagabend bzw. in der Nacht zum Sonntag zieht
erneut ein solches sog. Höhentief mit höhenkalter Luft im Gepäck von
der Südspitze Norwegens kommend nach Polen. Mit etwas "Glück" reicht
es dann im Nordosten und Osten Deutschlands ganz vereinzelt für ein
kurzes Gewitterchen.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.01.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst