Thema des Tages

22-09-2019 07:50

Tiefdruckserie bringt wechselhaftes Herbstwetter zurück


Nach einem weiteren spätsommerlichen Wochenende sorgen mehrere
Tiefdruckgebiete in der kommenden Woche wieder für einen
wechselhafteren Witterungsabschnitt.

Erst brachte uns Hoch "Gaia" am vergangenen Wochenende den
Spätsommer, an diesem Wochenende sorgt Hoch "Hanneke" für viel
Sonnenschein und angenehm spätsommerliche Temperaturen über 20 Grad.
Im Westen Deutschlands wurden am gestrigen Samstag gar nochmal
sommerlich warme 26,8 Grad an der Station in Duisburg-Baerl
registriert.

Auch am heutigen Sonntag (22.09.2019) kann die Temperatur besonders
in einem Bereich von Südniedersachsen und Ostwestfalen bis ins
Emsland nochmals die 28-Grad-Marke erreichen. Dazu gibt es erneut
viel Sonnenschein. Allerdings zeigen sich im Westen und Süden bereits
höhere Wolkenfelder, die den bevorstehenden Wetterumschwung
ankündigen (siehe aktuelles Satellitenbild unter
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2019/9/22.html).

Tief "Klaus" bringt sich aktuell über den Britischen Inseln in
Position und schickt einen Tiefausläufer in Richtung Deutschland.
Dieser greift heute Abend und in der Nacht zum Montag auf den
Südwesten und Westen über und leitet wieder einen wechselhafteren
Witterungsabschnitt ein. Er sorgt zunächst südwestlich einer Linie
vom Niederrhein bis zum Allgäu für Regen, der vorübergehend auch
schauerartig verstärkt ausfallen kann. Zudem können dabei einzelne
Gewitter eingelagert sein. Besonders im äußersten Südwesten nehmen
dann auch die Luftdruckgegensätze etwas zu, sodass dort der Westwind
vorübergehend stark böig auffrischen kann.

Am Montag zieht der Tiefausläufer dann nordostwärts, wobei er immer
weiter an Geschwindigkeit und Intensität verliert, kämpft er doch
gegen hohen Luftdruck über Osteuropa und Skandinavien an. So kommt
es, dass weite Teile Deutschlands unter dichten Wolken liegen werden,
einzig im Nordosten scheint tagsüber bei Temperaturen von bis zu 23
Grad noch häufiger die Sonne. Dort bleibt es zunächst wohl auch noch
weitgehend trocken, sehr zum Leid der Natur vor Ort. In einem breiten
Streifen vom Nordwesten bis in den Südosten kann es unter dichten
grauen Wolken hingegen länger regnen, am Alpenrand wird womöglich
lokal die Warnschwelle für ein markantes Dauerregenereignis von mehr
als 30 Litern pro Quadratmeter in 24 Stunden gerissen. Zudem frischt
der Wind im Alpenvorland vorübergehend stark böig auf. Die
Tageshöchsttemperaturen steigen unter dichten Wolken wohl nicht über
17 Grad an, im Dauerregen werden voraussichtlich nur um 14 Grad
erreicht. Einer der positiven Nebeneffekte: Die Temperatur sinkt
nachts unter der dichten Bewölkung nicht gerade weit ab und liegt
etwa bei Werten um 9 Grad. Somit ist dort zumindest Frost kein Thema
mehr.

Rückseitig des Tiefausläufers fließt etwas kühlere Luft in den Westen
und Südwesten ein. Zwar lässt die Niederschlagsneigung dort im
Vormittagsverlauf nach, dennoch reißt die Wolkendecke nur
stellenweise auf, die Sonne zeigt sich also nur gelegentlich. Auch
die Temperaturen "kommen nur schwer aus dem Saft". Die höchsten
Temperaturwerte werden wohl entlang des Rheins gemessen, wo sie
gerade so die 20-Grad-Marke erreichen, sonst liegen sie häufig bei 16
bis 19 Grad.

Am Dienstag gehen sowohl "Klaus" als auch dem von ihm ausgehenden
Ausläufer allmählich die Luft aus. Lediglich vom Bayerischen Wald
über das Erzgebirge bis zur Ostsee fallen noch ein paar Tropfen,
größere Mengen zur Linderung der dort vorherrschenden Trockenheit
werden jedoch nicht erwartet.

Es taucht aber ein weiteres Tief auf der Wetterkarte auf, das bereits
seit Tagen mit Spannung von den Medien erwartet wird. "Ex-Humberto",
der ehemalige tropische Wirbelsturm (die Betonung liegt auf
"ehemalig"!) nimmt Kurs auf die Britischen Inseln und schickt einen
weiteren Tiefausläufer nach Deutschland. Mit einem eigentlichen
Wirbelsturm hat dieser aber nichts mehr gemein. Ab Dienstagabend
sorgt er von Westen für weitere schauerartige Regenfälle, die
24-stündigen Niederschlagsmengen sollten dabei aber meist unter 10
Liter pro Quadratmeter liegen. Nach aktuellen Modellrechnungen kommt
dieser Ausläufer ebenfalls bis in den Nordosten voran, wird dort aber
nicht für signifikante Regenmengen sorgen können.

Sonst hat "Ex-Humberto" für Deutschland aber nicht viel zu bieten. So
verabschiedet er sich am Mittwoch bereits wieder und löst sich über
Schottland auf. Damit reißt jedoch die Tiefdruckserie über dem nahen
Nordostatlantik nicht ab. Bereits zum Beginn der Woche macht sich ein
weiteres Tief von der Labradorsee auf in Richtung Europa, das dann am
Mittwoch nach "Ex-Humberto" vor den Britischen Inseln das
"Tiefdruck-Steuer" an sich nimmt. So kommen nach einer kurzen
"Regenpause" am Mittwochabend von Südwesten und Westen her weitere
Niederschläge auf, die das anhaltende Niederschlagsdefizit etwas
weiter mindern.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.09.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst