Thema des Tages

29-12-2020 10:20

Wetterextreme 2020 ? Teil 1


Das heutige Thema des Tages behandelt den ersten Teil der
Zusammenfassung des Wetterjahres 2020 mit Schwerpunkt auf extreme
Wetterereignisse.


Januar: Schneearmer und milder Hochdruckwinter

Ein Hoch über Südeuropa sorgte für einen zu sonnigen und trocknen
Januar. Mit südwestlicher Strömung wurde für die Jahreszeit deutlich
zu warmer Luft herangeführt. Unterbrochen wurde der Warmluftzustrom
von nur kurzen Kaltlufteinbrüchen, die in den Gipfellagen der
Mittelgebirge etwas Schnee brachten. Im letzten Drittel setzte sich
dann ein Hoch über Mitteleuropa mit höhenwarmer Luft durch. Der
Januar war auch im höheren Bergland ungewöhnlich schneearm und
deutlich zu warm.

Februar: Die Westwetterlage ist wieder da

Im Februar stellte sich die Wetterlage um. In der Arktis gab es den
stärksten jemals beobachteten Polarwirbel. Dies blieb für unser
Wetter nicht ohne Folgen. Denn die Tiefdruckentwicklung auf dem
Atlantik wurde dadurch angefacht, wodurch sich bei uns eine
stürmische Westwetterlage durchsetzte. Tiefdruckgebiete zogen in
rascher Abfolge über Nordeuropa hinweg und prägten mit ihren Fronten
das Wetter in Deutschland. Kurze Kaltlufteinbrüche wechselten sich
mit Phasen mit sehr milder Meeresluft ab. Schnee gab es nur zeitweise
in den Gipfellagen der Mittelgebirge. Am 04.02. zog Sturmtief ?Petra?
über Deutschland und brachte dem Süden verbreitet orkanartige Böen.
Höhepunkt der Westwetterlage war am 09. und 10. Februar mit Sturmtief
?Sabine?, das mit orkanartigen Böen über Deutschland hinwegfegte und
den Zugverkehr bundesweit zum Erliegen brachte. Am 23.02. sorgte dann
Sturmtief ?Julia? mit schweren Sturmböen für die Absage zahlreicher
Faschingsumzüge. Der Februar war der zweitniederschlagsreichste seit
Aufzeichnungsbeginn. Vielerorts fiel das Doppelte bis Dreifache der
üblichen Regenmengen. Größere Hochwasser bleiben aber aufgrund der
gleichmäßigen Verteilung und der Dürre in den Vorjahren weitestgehend
aus. Das fast völlige Fehlen von Nachtfrösten war maßgeblich dafür,
dass der Februar auch der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen
wurde. Zu erwähnen sei hier noch der 16.02., an dem eine subtropische
Luftmasse für außergewöhnliche 21,5 °C in Müllheim südwestlich von
Freiburg sorgte. Am 28. Februar brachte ein Sturmtief dann doch noch
mal kurz etwas Winter mit Schnee in der Mitte und im Süden.

März: Von der Westwetterlage zum Frühlingshoch

Zunächst hielt die wechselhafte und teils stürmische Westwetterlage
an. Mit Sturmtief ?Hanna?, das im Norden nochmals orkanartige Böen
brachte, aber ansonsten recht schwach blieb, endete die Sturmsaison
in diesem Jahr ziemlich früh am 12.03. Ab dann brachte ein
Hochdruckgebiet über Osteuropa den Frühling mit Höchstwerten bis 20
°C im Süden. Ab dem 20.03. erreichte uns dann an der Ostflanke eines
nach Skandinavien vorrückenden Hochs doch nochmal sibirische Kaltluft
mit mäßigen Nachtfrösten von -5 bis -9 °C im Osten. Vielerorts waren
dies die kältesten Nächte des Jahres. Am Ende des Monats fiel im
Osten Deutschlands sogar noch etwas Schnee. Trotzdem blieb der März
im Mittel zu warm und war einer der sonnenscheinreichsten.

April: Anhaltende Hochdrucklage

Im April setzte sich dann ein Hoch über Mitteleuropa fest. Mit einer
Südströmung wurde dabei sehr warme und trockene Luft nach Deutschland
geführt. Zwar gab es in der trockenen Luft noch zeitweise
Nachtfröste, tagsüber waren aber Temperaturen über 20 °C an der
Tagesordnung. Im Westen gab es mehrere Sommertage mit Höchstwerten
über 25 °C, den ersten sogar schon am 07.04. am Oberrhein. Die
erwachende Vegetation dürstete nach Regen, der in der Hochdrucklage
ausblieb. Zahlreiche kleinere Waldbrände waren die Folge. So war der
April der dritttrockenste seit Messbeginn. Gleichzeitig war er auch
der sonnigste und brachte es auf mehr Sonnenstunden als ein
durchschnittlicher Sommermonat. Bei den Temperaturen gab es ein
deutliches Süd-Nord-Gefälle, insgesamt war der April aber zu warm.

Mai: Ewige Hochdrucklage mit ausgeprägten Eisheiligen

Im Mai setzte sich das warme Hochdruckwetter mit nur kurzen
Unterbrechungen zunächst fort. Doch der Winter gab sich noch nicht
geschlagen. Pünktlich zu den Eisheiligen am 12.05. gelangte mit einer
nördlichen Strömung arktische Meeresluft auf direktem Weg nach
Deutschland. An den Alpen und im Bergland reichte es sogar noch für
eine Schneedecke. In den übrigen Gebieten gab es für die Jahreszeit
ungewöhnlich starke Nachtfröste, die Schäden an der schon weit
entwickelten Vegetation anrichteten. In einigen Gegenden erfror sogar
das Laub an den Bäumen. Im weiteren Verlauf setzte sich recht rasch
wieder eine Hochdrucklage durch. Dabei wurde es wieder sommerlich
warm. Doch Hitzegewitter blieben weitestgehend aus. Die ungewöhnlich
vielen Frosttage sorgten dafür, dass der Mai trotz Hochdruckwetter
nur normal temperiert blieb. Außerdem war es besonders im Westen
deutlich zu trocken.

Juni: Ein Sommer, wie er früher einmal war

Am 5. Juni setzte ein polarer Kaltlufteinbruch der bisher
außergewöhnlich lang andauernden Hochdrucklage ein Ende. Die
Schafskälte schlug zu, sodass die Höchsttemperaturen nicht mehr über
20 °C hinaus kamen. Die Nachtwerte waren meist einstellig. Im
weiteren Verlauf entwickelte sich eine recht seltene Wetterlage mit
hohem Luftdruck über Nordeuropa und tiefem Druck über Mitteleuropa.
Die sonst üblichen Druckverhältnisse kehrten sich um. Durch den
dominierenden Tiefdruckeinfluss gestaltete sich der Rest des Monats
wechselhaft mit gelegentlichen Starkregengewittern. Hervorzuheben ist
hier der Zeitraum zwischen 13.06. und 19.06., wo auch Großstädte wie
Berlin und Hamburg von lokalen Überflutungen betroffen waren. Die
Regenmengen im Juni waren insgesamt durchschnittlich mit sehr großen
regionalen Unterschieden. Es war zwar mäßig warm, aber längere Zeit
sommerlich blieb es selten, sodass der Monat in der Gesamtbilanz nur
etwas zu warm ausfiel. Zu erwähnen ist noch, dass in der 2.
Monatshälfte wieder ausgeprägte leuchtende Nachtwolken zu beobachten
waren.


Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.12.2020

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