Thema des Tages

29-05-2021 13:50

50 Jahre promet

Im Jahre 1971 wurde nicht nur die erste E-Mail verschickt und der
erste Mensch mittels Computertomografie untersucht. Nein, in jenem
Jahr lief auch die erste Ausgabe von promet, der
Fortbildungszeitschrift des Deutschen Wetterdienstes, durch die
Druckerpresse. Grund genug, einen Blick zurück zu werfen.

Es ist Sommer 1969, als der Verband Deutscher Meteorologischer
Gesellschaften (VDMG) ein Heft herausgibt, auf dessen Titelseite in
großen weißen Lettern auf himbeerrotem Hintergrund das Wort "meteo"
prangt. Auch wenn das darunter abgebildete Schwarz-Weiß-Foto eines
Messfelds auf einer Rheininsel bei Mannheim eine gewisse Nostalgie
versprüht, so ist das Thema des Heftes "Meteorologie und
Luftreinhaltung" auch heute noch so aktuell wie vor über 50 Jahren.
In dem 52-seitigen Heft (Link siehe unten) geht es unter anderem um
ein Messprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über
luftverunreinigende Stoffe, die Berechnung von Schornsteinhöhen,
Autoabgase in städtischen Innenstädten, und vieles mehr. Dabei ist
neben den Beiträgen durchaus auch die eine oder andere kleine Anzeige
am Seitenrand interessant: Die WMO (Weltorganisation für
Meteorologie) sucht einen "Instructor in Synoptic Meteorology" für
Brasilien mit einem Anfangsgrundgehalt von 12.941 US Dollar und die
Gesellschaft für Kernforschung einen "Akademiker, vorzugsweise
Meteorologen", der seiner Bewerbung einen handgeschriebenen
Lebenslauf beilegen soll.

Schmökert man in diesem Heft, kann man nur allzu gut nachvollziehen,
dass es im Kreise der Meteorologenschaft den Wunsch nach einer
regelmäßigen Herausgabe einer meteorologischen
Fortbildungszeitschrift weckte. So entstand aus "meteo" die Idee für
"promet", dessen erstes Heft zwei Jahre später, im Jahre 1971 durch
die Druckerpresse laufen sollte. In seiner Einführung schreibt der
damalige DWD-Präsident Dr. Erich Süssenberger:

"Die lebhafte Entwicklung von Naturwissenschaft und Technik und die
damit verbundene zwangsläufige Spezialisierung der Forscher und der
Praktiker haben indessen auch auf dem Gebiet der Meteorologie zur
Folge, daß die Fülle der in- und ausländischen Veröffentlichungen vom
einzelnen Leser nicht mehr bewältigt werden kann. Es müssen daher
neue Wege beschritten werden, um allen Meteorologen und
Wetterberatern die für sie unentbehrlichen Informationen zur
Vertiefung ihrer Kenntnisse und zur Modernisierung ihres
Wissenstoffes zu liefern."

Es ist gleichermaßen erstaunlich wie beeindruckend, wie aktuell diese
Worte heute noch sind und mit welch ähnlichen Herausforderungen man
vor 50 Jahren kämpfte. Denn nach wie vor ist die zunehmende
Publikationsflut, die es teils schwierig oder gar unmöglich macht,
sich ein umfassendes Bild über den aktuellen Wissensstand zu einem
bestimmten Thema zu verschaffen, ein Grund für die Herausgabe von
promet. Natürlich kann und soll in den promet-Heften ein Thema nicht
bis ins kleinste wissenschaftliche Detail behandelt werden (dazu sind
die Fachartikel da), sondern vielmehr ist es ein Ziel, einen
verständlich aufbereiteten und didaktisch anschaulichen Überblick zu
vermitteln. Dass dieser dann, je nach Thema, mal theoretischer, mal
allgemeinverständlicher ausfällt, liegt wortwörtlich in der Natur der
Sache.

In den mittlerweile über hundert Heften ging es um Wolkenphysik und
Wettermodelle, um Agrar- und Biometeorologie, um Sturmfluten und
Glaziologie, um Wetter und Klima in den Tropen, der Arktis und
Antarktis, um erneuerbare Energien, Volkswirtschaft und
Klimakommunikation. Und vieles mehr.

In den nächsten Wochen erscheint übrigens eine neue Ausgabe, in der
es um Anwendungen regionaler Klimamodellierung geht und die
anlässlich des Jubiläums auch eine Übersicht aller erschienenen
promet-Hefte beinhaltet.

Falls der interessierte "Thema des Tages"-Leser nun Lust bekommen
hat, in alten Ausgaben zu schmökern: Kein Problem! Alle Hefte ab der
ersten Ausgabe wurden digitalisiert und sind frei verfügbar im
Online-Archiv (Link siehe unten). Viel Spaß beim Lesen!

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.05.2021

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